netzeitung.deRekordbelohnung im Fall Madeleine ausgesetzt

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Sorge um entführtes Mädchen in Portugal (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Sorge um entführtes Mädchen in Portugal
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Britische Fußballer, Schriftsteller und Unternehmer haben für die in Portugal entführte vierjährige Madeleine gesammelt. Zusammen gekommen ist eine Millionensumme für Hinweise auf das britische Mädchen.

Hätte sie Fähigkeiten wie Zauberlehrling Harry Potter, würde Joanne K. Rowling die vierjährige Madeleine sofort herbeizaubern. Stattdessen kann die Autorin der berühmten Kinderbücher nur Geld geben, um das entführte britische Mädchen so schnell wie möglich zu finden. 3,7 Millionen Euro sind als Belohnung für Hinweise auf «Maddy» ausgesetzt - ein Rekordbetrag. Rowling spendete einen großen Teil davon. Doch Madeleine bleibt auch zehn Tage nach ihrer Entführung aus einer Ferienanlage an der portugiesischen Algarve-Küste spurlos verschwunden - an ihrem vierten Geburtstag am Samstag wusste niemand, ob sie noch lebt oder welche Qualen sie durchleben muss.

«Heute ist Madeleines Geburtstag - bitte suchen Sie weiter nach ihr, bitte beten Sie weiter, bitte helfen Sie, sie nach Hause zu bringen», lassen die Eltern am Samstag verlesen. Abgemagert und erschöpft gehen sie regelmäßig zum Beten in die kleine Gemeinde von Praia da Luz. Die Mutter klammert ihre Hände stets um ein kleines rosa Plüschtier von Madeleine. Der Vater sagt, die Entführung habe ihn und seine Frau wie eine «verheerende Flutwelle» erfasst.

Gerry und Kate McCann erleben den schlimmsten Albtraum, den Eltern erleben können: Ihre Tochter war plötzlich nicht mehr da, entführt aus ihrem Bett, im Schlaf. Die Eltern waren währenddessen beim Essen in einem Restaurant der Luxus-Ferienanlage. Die Spekulationen über die Täter reichen von einem Pädophilen- bis zu einem Menschenhändlerring. Gesicherte Informationen gibt es nicht.

Es sind herzzerreißende Bilder, die Tag für Tag im Fernsehen laufen. Ein kleines, blondes Mädchen lacht mit Kulleraugen in die Kamera. Eine Welle der Anteilnahme wurde ausgelöst. Der englische Fußballstar David Beckham bat im Fernsehen um Hinweise, «bitte, bitte helfen Sie uns». Auch der portugiesische Fußballer Cristiano Ronaldo wandte sich an die Öffentlichkeit. Hunderte Motorradfahrer versammelten sich mit «Maddy»-Postern in Portugal, um sich auf die Suche nach dem Mädchen zu machen.

Im Heimatort der McCanns, in Rothley im mittelenglischen Leicestershire, liegen Blumen, Postkarten und Stofftiere. Pinke Luftballons mit Botschaften steigen in den Himmel, gelbe Bänder sollen Optimismus vermitteln. Niemand will die Hoffnung aufgeben: «Wir hoffen, dass Madeleine zurückkommt, und dann wird es eine Geburtstagsparty geben», sagt Madeleines Großonkel Brian Kennedy.

Doch Polizeichef Olegário Sousa erklärt, es gebe bislang keine Verdächtigen. Die zehn Briten, die bislang verhört worden seien, gelten nur als Zeugen. «Wir arbeiten alle mit Hochdruck daran, Madeleine lebend nach Hause zu bringen.»

Das, was an die Öffentlichkeit dringt, ist diffus und oft widersprüchlich. Derzeit wird angenommen, dass es mehrere Entführer gab und dass diese Briten sind. Die Polizei prüft alle Anrufe, die in den vergangenen Wochen aus der Anlage gemacht wurden und vergleicht die Nummern mit denen bekannter Kinderschänder in Portugal und Großbritannien. Die Eltern müssen sich hunderte Fotos von bekannten Pädophilen ansehen.

Doch trotz der Hölle, durch die das Ärzteehepaar geht, sind auch die Eltern in die Kritik geraten, weil sie Madeleine und die beiden anderen Kinder, ein zweijähriges Zwillingspaar, allein in dem Raum gelassen hatten. «Das ist grobe Fahrlässigkeit», sagt der Kriminalpsychologe Carlos Poiares. Die beiden 38-Jährigen verteidigten sich jedoch, alle 20 bis 30 Minuten nach den Kindern geschaut zu haben.

Der anglikanische Pfarrer David Heal, der die britische Gemeinde an der Praia da Luz betreut und den gläubigen Eltern beisteht, räumte angesichts des schrecklichen Ereignisses ein: «In solchen Fällen ist es selbst für uns schwer, stark zu sein.» (Von Annette Reuther und Jörg Vogelsänger, dpa)