netzeitung.deHeilbronner Polizisten-Mörder im Osten vermutet

 Herausgeber: netzeitung.de

Gedenkfeier für ermordete Polizistin (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Gedenkfeier für ermordete Polizistin
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Zwei Tage nach dem Polizistenmord von Heilbronn sind bei den Ermittlern mehr als 300 Hinweise eingegangen. Die Behörden gehen davon aus, dass die Tat nicht von einem Deutschen begangen wurde.

Die Hintergründe des Polizistenmordes in Heilbronn liegen möglicherweise im Bereich der organisierten Kriminalität. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa vom Freitag soll es um Rauschgift gegangen sein. Die Polizei ermittelt deswegen auch in Osteuropa. «Was Heilbronn anbetrifft, gehen wir davon aus, dass es eine Tat ist, die nicht zwingend von einem Deutschen begangen wurde», sagte der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Wolfgang Speck.

Am Mittwoch waren auf der Theresienwiese in Heilbronn unter bisher ungeklärten Umständen zwei Polizisten aus nächster Nähe mit Kopfschüssen niedergestreckt worden. Eine 22 Jahre alte Beamtin starb, ihr 24 Jahre alter Kollege wurde lebensgefährlich verletzt. Sein Zustand ist kritisch, aber stabil.

Die Ermittler bekommen immer mehr Hinweise aus der Bevölkerung. Mittlerweile seien es mehr als 300, teilte ein Polizeisprecher mit. Eine heiße Spur gebe es jedoch nicht. Als sicher gilt, dass es sich um mindestens zwei Täter handelt. Auch der Aussage eines Zeugen, einen blutverschmierten Mann am Tatort gesehen zu haben, gingen die Ermittler nach. Die Sonderkommission «Parkplatz» sucht nach weiteren Zeugen, die den Mann gesehen haben. So soll auch eine Frau von dem Verdächtigen beinahe umgerannt worden sein. Die Ermittler befragten erneut die Bürger in der Innenstadt und verteilten Flugblätter in den Schulen in der Nähe des Tatortes.

Erfolglose Suche
Bereits am Donnerstag war die Suche nach der Tatwaffe auf den Neckar ausgeweitet worden. Rund 20 Beamte der Heilbronner Wasserschutzpolizei sowie zehn Polizeitaucher waren im Einsatz. Die Suche blieb jedoch erfolglos.

Unterdessen gedachten die Heilbronner mit einer Kranzniederlegung der erschossenen Polizistin. Am Freitagnachmittag wollten Geistliche beider Konfessionen in der Heilbronner Kilianskirche einen Trauergottesdienst abhalten. Zum Gottesdienst wurden auch Ministerpräsident Günther Oettinger, Innenminister Heribert Rech (beide CDU), der Heilbronner Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach, der Stuttgarter Regierungspräsident Udo Andriof und Vertreter der Polizei erwartet. Vor dem Gottesdienst wollte Oettinger nach Angaben des Staatsministeriums einen Kranz am Tatort niederlegen. Im Rathaus liegt ein Kondolenzbuch aus.

«16 unterschiedliche Waffenregister»
Der DPolG-Vorsitzende Wolfgang Speck kritisierte: «Momentan haben wir allein in Deutschland 16 unterschiedliche Waffenregister, ein Zugriff wie nach einer solchen Tat wie in Heilbronn ist dabei sehr schwierig und dauert lang.» Daher sei ein europäisches Waffenregister notwendig. Schließlich gebe es Länder wie in Osteuropa, wo Waffen einfacher erworben werden könnten.

Ein Passant hatte die 22 Jahre alte Polizeibeamtin und ihren Kollegen am Mittwoch kurz nach 14.00 Uhr auf dem Heilbronner Festgelände gefunden. Sie lagen mit Kopfschüssen neben ihrem Dienstwagen. Ihre Dienstwaffen und die Handschellen fehlten. Mit dem Obduktionsergebnis im Fall der toten Polizistin rechneten die Ermittler im Laufe des Freitags. Es soll jedoch nicht bekannt gegeben werden, da es sich bei dem Inhalt um Täterwissen handeln könnte.

Polizisten aus ganz Baden-Württemberg wollen an diesem Montag in Böblingen mit einem Trauerzug der ermordeten Polizistin die letzte Ehre erweisen. Anschließend wollen die Polizisten in einer Trauerfeier in der Stadtkirche St. Dionysius der 22-Jährigen gedenken. Die Beamtin war seit anderthalb Jahren bei der Bereitschaftspolizei Böblingen im Einsatz. (dpa)