netzeitung.deErste Spur im Polizistenmord von Heilbronn

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Spurensuche am Tatort (Foto: Dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Spurensuche am Tatort
Foto: Dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Im Fall der erschossenen Polizistin in Heilbronn hat die Polizei möglicherweise Hinweise auf den Täter. Der Zustand des schwerverletzten Kollegen ist weiterhin kritisch.

Nach dem Polizistenmord in Heilbronn fahnden die Ermittler nach mindestens zwei Tätern. Die Kugeln stammten aus zwei verschiedenen Waffen, teilte die Polizei mit. Die Ärzte kämpften am Donnerstag um das Leben des 24-jährigen Kollegen der Getöteten. Er liegt mit einer schweren Kopfwunde im Koma. «Sein Zustand ist weiter kritisch, aber inzwischen etwas stabiler», sagte ein Polizeisprecher.

Die beiden Beamten waren am Mittwoch bei einem Routineeinsatz auf dem Heilbronner Festgelände Theresienwiese, als Unbekannte ihnen in den Kopf schossen. Die Polizisten gaben keinen Notruf ab, sie wurden nach Einschätzung der Ermittler überrascht. Die Sonderkommission «Parkplatz» verfolgt eine erste konkrete Spur: Ein Zeugin hatte einen blutverschmierten Mann in der Nähe des Tatorts beobachtet. Der Unbekannte soll die Radfahrerin beinahe umgerannt haben und auf den Rücksitz eines davonfahrenden Autos gestiegen sein.

Die Polizei sucht nun nach der Radfahrerin, die als wichtige Zeugin gilt. Die Leiche der Polizistin aus Thüringen wurde am Donnerstag obduziert. Ergebnisse sollen am Freitag bekannt gegeben werden. Mit einem Trauergottesdienst wird am Freitagnachmittag der getöteten Beamtin gedacht.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) sagte im Südwestrundfunk (SWR), möglicherweise handle es sich um einen kaltblütigen Racheakt und einen gezielten Schlag gegen die Landespolizei: «Man muss entlang der Kaltblütigkeit von einem Racheakt ausgehen und möglicherweise von einer Tat, die mit dem Ort gar nichts zu tun hat, also nicht Raubmord, also nicht auf frischer Tat erwischt, sondern kaltblütig. Einen Schlag gegen die Landespolizei zu führen, war vielleicht das Ziel, und dies halte ich für sehr Besorgnis erregend, weil wer dies einmal macht, macht es vielleicht auch wieder.»

Schärferes Vorgehen
Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) brachte ein schärferes Vorgehen bei Kontrollen ins Gespräch. Es sei möglich, dass Polizisten künftig viel häufiger mit gezogener Waffe auf Verdächtige zugingen und sie etwa vor einer Kontrolle zunächst nach Waffen durchsuchten, sagte der DPolG-Bundesvorsitzende Wolfgang Speck in einem dpa-Gespräch: «Wir müssen darüber nachdenken, ob wir nicht das Vorgehen bei Kontrollen verändern.» Der Normalfall sei bisher, dass Beamte auffällige Bürger bei einer Kontrolle offen und relativ ungeschützt ansprechen. «Wir müssen uns fragen: «Können wir noch so offen auf bestimmte Menschen zugehen?»», sagte Speck.

Der Direktor der Bereitschaftspolizei Baden-Württemberg, Thomas Mürder, sagte, die getötete Polizistin sei seit anderthalb Jahren bei der Bereitschaftspolizei Böblingen im Einsatz gewesen. Wie ihr schwer verletzter 24-jähriger Kollege aus Sindelfingen (Kreis Böblingen) habe sie zuvor eine 30-monatige Ausbildung durchlaufen. «Sie war voll ausgebildet und eine Kollegin mit einer gewissen Erfahrung.» Die Kollegen aus der Einheit der beiden Opfer seien zurzeit nicht im Einsatz und würden betreut.

Die Opfer waren am Mittwoch kurz nach 14.00 Uhr auf dem Festgelände von einem Passanten gefunden worden. Sie lagen neben ihrem Dienstwagen. Ihre Dienstwaffen - Pistolen vom Typ P 2000 - und die Handschellen fehlten. Die beiden Polizisten waren im Rahmen des Unterstützungseinsatzes «Sichere City» im Einsatz. Diese Aktion hat den Zweck, die Kriminalität in Heilbronn einzudämmen. (dpa)