12. Apr 2007 14:15
In Bad Reichenhall hätte ein ortsansässiger Prüfingenieur eingesetzt werden müssen, sagt die Union Beratender Ingenieure. Dieser hätte erkannt, dass die Eissporthalle Baumängel aufweist.
Prüfingenieure sollten nach Auffassung Sturms größere Bauvorhaben überwachen und vor der Inbetriebnahme abnehmen. Einem derartigen amtlich bestellten Ingenieur wären im Fall der Reichenhaller Eissporthalle «die Änderung der Dachkonstruktion und die notwendige Prüfung beziehungsweise die nicht erfolgte Sonderzulassung nicht entgangen», sagte der Ubid-Vorsitzende. «Hinsichtlich der Baumängel hätte er auch die notwendigen Auflagen gemacht.»Sturm machte unter anderem die Arbeitsüberlastung der derzeit nicht einmal 80 Prüfingenieure für ganz Bayern verantwortlich für verheerende Hallen- und Brückeneinstürze. «Immer wieder kommt es vor, dass mangelnde Statik und Überwachung bei Sonderbauten Menschen das Leben kosten.» Der Ubid forderte, dass Prüfingenieure Bauten nur noch selbst überprüfen und nicht wie bisher an Assistenten oder Jungingenieure delegieren.
Die Union Beratender Ingenieure in Deutschland ist mit bundesweit 1500 Mitgliedern die zweitgrößte Standesvertretung freiberuflicher Ingenieure. Im Falle der Reichenhaller Katastrophe ermittelt die Staatsanwaltschaft nach wie vor wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung gegen neun Verantwortliche, unter ihnen vier frühere Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Nach Abschluss der Ermittlungen entscheidet sich, ob Anklage gegen einen oder mehrere Beschuldigte erhoben wird. Laut mehreren Gutachten steht aber bereits jetzt fest, dass massive Mängel bei Planung und Bau der aus den 1970er Jahren stammenden Halle schuld am Einsturz sind. (dpa)