Auf dem Gipfel der Knut-Mania
11.04.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Knut Superstar
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Knut ist vermutlich der einzige Eisbär mit eigener Internet-Plattform, eigenem Song und Computerspiel. Doch trotz all seines Charmes kann das Eisbärbaby auch ganz schön nerven.
Die Nachricht von seiner Geburt brachte erst die Republik in Aufruhr, wenige Monate später versetze das im Berliner Zoo geborene Eisbärbaby die halbe Welt in eine Art Fieber. Von Knut-Merchandising bis hin zu Knut-Tourismus - der Name des Bärenbabys hat sich mittlerweile zu einer eigenen Marke gemausert. Zu Knuts bisherigen Referenzen zählen bislang das Cover der amerikanischen «Vanity Fair», ein eigener Song sowie zahllose Berichte in Print, Radio, Internet und TV.
Angesichts der knut'schen Dauerberieselung stellt sich jedoch die Frage, wie lange es noch dauern wird, bis dem kleinen Eisbär medienmäßig der totale Ausverkauf widerfährt und die Öffentlichkeit restlos übersättigt von den bärigen News sein wird. Lange wird es vermutlich nicht mehr dauern, schließlich wächst das Knut-Imperium Tag für Tag.
Zu den jüngsten Innovationen aus dem Bärenland zählt beispielsweise die Website YouKnut.com. In Anspielung auf Youtube.com ist die von drei Berlinern gegründete Internetseite mit Videos, Pressebeiträge, persönlichen Grußbotschaften und Fotos eine Plattform für alle Fans des Bärenbabys.
Auf der Seite werden außerdem Fotomontagen fiktiver Knut-Produkte wie «Knutella» (der Frühstücks-Aufstrich als Nutella-Alternative), «Knut-Wurst», natürlich von der Firma «Knutfried», oder - etwas anstößiger - der Fell-Vibrator «Knuttel» («Speziell für FELLatio») gepostet.
150 Zucker-Knuts für zehn EuroDie Knut-Manie auf die Spitze getrieben hat jedoch Haribo. Der Süßwarenhersteller bringt demnächst weiße Schaumzuckerbären mit Himbeer-Geschmack unter dem Namen «Knuddel-Knut'sch» auf den Markt - und wird damit wohl ordentlich Kasse machen - Eine Dose mit 150 süßen Bärchen kostet immerhin zehn Euro. Die Firma hatte schonmal einen tierischen Volks-Liebling in Zuckermasse ausgegossen: Braunbär Bruno gab es im Juni 2006 als «Schaumzuckerprodukt in den Geschmacksrichtungen Schoko und Karamell».
Fraglich ist auch die Existenzberechtigung des neuen Knut-Computerspiels «Eisbär-Baby Superstar» der Software-Firma cerasus.media. Darin tappst das Bärlein beispielsweise beim «Nordpol-Rennen» in 3D-Grafik über Eisschollen. Klingt nicht gerade spannend, doch in so manchen Kinderaugen wird angesichts der Kombination aus Spielneuheit und Knuts Charme «Haben-Wollen-Kaufen» stehen.
Doch Knut ist eben auch bloß ein Eisbär und nicht immer nur süß. Dass das Bärenbaby manchmal auch ganz schön nerven kann, verriet kürzlich seine Ersatz-Mutter, der Pfleger Thomas Dörflein, im Interview mit der «Frankfurter Rundschau»: «Ich hätte ihn an die Wand schmeißen können, wenn alles zusammenkommt und nachts um drei sein ganzer Käfig vollgekotet ist.»
Für das Web ediert von Julia Wilczok