Jakartas Affen-Mama hat 19 Kinder
15.04.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Doch sie sagt, sie wisse nicht, wie lange noch. Von Mengden kramt ein vergilbtes Papier aus der Schublade, mit Stempeln und Unterschriften: «Auf Lebenszeit, steht hier», sagt sie, und pocht mit ihrer knochigen Hand nachdrücklich aufs Papier. Auf Lebenszeit darf sie hier wohnen. Doch fühlt sie sich von der Zoo- Direktion an den Rand gedrängt.
Mengden, die nach einem Sturz nur vorsichtig am Stock gehen kann, hebt Lenchen aus einer Kiste auf ihren Schoss. Das Äffchen ist gelähmt. «Lenchen, Lenchen, komme», singt sie nach der Melodie eines alten deutschen Kinderliedes. «Wir leben hier gleichberechtigt, Mensch und Tier. Wie respektieren einander», sagt sie. An der Wand hängt ein Orang-Utan-Plakat mit der Aufschrift: «Ich bin kein Affe, ich bin Dein Ur-Ur-Ur-Ur-Großvater!»
Im Mengden-Haushalt gibt es auch noch Tinchen, einen Nashornvogel, Idefix, den «mindestens 100 Jahre alten Hund». Und Max und Kalle, eine jüngere Promenadenmischung, die stets darauf achtet, dieselbe Anzahl Streicheleinheiten zu bekommen wie Idefix. Dann geht hinten im Garten plötzlich ein Lärm los, dass man sein eigenes Wort kaum mehr versteht. «Die quatschen», sagt von Mengden ungerührt.
Mengden kam mit ihrem Mann, der bei der Botschaft war, in den 50er Jahren nach Indonesien. Er starb früh, sie blieb. Und nun ist plötzlich Sand im Getriebe, nach fast 40 Jahren. Sieben ausgewachsene Orang-Utans darben abgelegen in kargen Beton- Gehegen vor sich hin. «Das geht gegen die Affen- und Menschenwürde», sagt Mengden.
Morgens und abends dürfen die Orang-Utans aus ihren Käfigen in Mengdens Garten und auf dem Spielplatz herumtollen. Scheu sind die Tiere nicht: Besucher packen sie gleich bei der Hand und ziehen sie ins Kletterparadies. Alles, was blinkt und schimmert, begeistert sie. Einer schnappt sich kurzerhand einen Haarreifen, der in der starken Orang-Utan-Pranke nicht lange überlebt. Mengden schaut von ihrer Terrasse aus ein bisschen wehmütig zu. Sie ist zu schwach, die ungestümen Tiere würden sie glatt umreißen.
Mengden überlegt jetzt, ob sie sich auf die alten Tage woanders niederlassen soll. «Die würden mich am liebsten rausschmeißen», meint sie. «Der Zoo schätzt ihre Arbeit sehr», sagt dagegen der Zoo- Sprecher. «Sie hat uns einen großen Dienst erwiesen, und wir freuen uns, wenn sie so lange bleibt, wie sie will.» (Christiane Oelrich, dpa)

