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Ob diese Mädchen gerade Schluss gemacht haben mit ihren Freunden?! (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Ob diese Mädchen gerade Schluss gemacht haben mit ihren Freunden?!
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Quälende Trennungsgespräche sind out, kurzes Schlussmachen per SMS ist in. Domenika Ahlrichs hat die Angebote im Netz durchgecheckt.

Eigentlich war es nicht ihr Stil, sich per E-Mail von ihrem Freund zu trennen. Zu kalt, zu hart, zu unpersönlich. Doch er war in Deutschland, sie in den USA. Und Telefonieren über den Atlantik war damals, 1996, noch verdammt teuer. Die E-Mail war kostenlos. «Es tut mir leid, ich habe mich neu verliebt. Ich erkläre Dir alles, wenn ich wieder zurück bin», stand darin. Zur Erklärung kam es nie. Er wollte nichts mehr von ihr wissen. Auch gut, dachte sie, schließlich wollte ich ihn ja loswerden. Das schlechte Gewissen allerdings wurde sie nie wirklich los.

Heute ist das Schlussmachen per E-Mail schon fast antiquiert, SMS sind im Trend. 160 Zeichen für die finale Botschaft, da kommt man nicht ins Schwafeln, verzettelt sich nicht und schweift nicht ab. Wem das schwer fällt: Das Internet, das Singles als unerschöpfliche Quelle dient bei der Suche nach dem passenden Partner, hilft auch, wenn aus dem passenden der unpassende geworden ist. Auf Seiten wie Romantica.de (ausgerechnet!) oder Sms-meet.com gibt es listenweise Vorschläge für das Aus per Kurznachricht. «Ich weiß gar nicht, wie ich ohne Dich leben soll. Aber ich will es ab morgen mal versuchen.» Oder: «Hallo Sternschnuppe – erst warst Du mein Stern, jetzt bist Du mir schnuppe...» Und besonders zeitsparend: «1,2,3 – es ist vorbei.» Für mögliche Antworten gibt es keine Vorlagen. Vermutlich, weil die meisten ohnehin sprachlos sind, wenn sie so abserviert werden.

«Herzlos und unmenschlich», sei das alles, ließ der Berufsverband Deutscher Psychologen denn auch unlängst wissen. US-Beziehungsexperte Bernd Guerney sieht «fehlenden Mut, sich seiner eigenen Entscheidung zu stellen», als wachsendes Problem der Handy-Generation. Die habe noch nicht begriffen, dass es sein Zeichen von Reife sei, sich vor schwierigen Situationen nicht zu drücken, sagt er in der «Washington Post».

Auch die Zielgruppe selbst ist da durchaus selbstkritisch. Light Saber im Forum von Projektstarwars.de zum Beispiel lässt sich zu dem Aufschrei hinreißen: «Oh Gott, wie kann man nur... per SMS oder per E-Mail...» Bei Krefeld-liebt.de schreibt NelÖö, zu dem Thema gebe es «eigentlich nicht viel zu sagen... einfach nur total feige!». FallAngel, deren Freund so unpersönlich Schluss gemacht hat, erfährt Solidarität von allen Seiten: «Ich würde den Typen klatschen» (Chrissie), «Wie arm ist das denn?!» (Coko), «Au man, sowas finde ich total niveaulos.» (Sweety89). Mit dem trockenen Kommentar «Spart Geld, Zeit und kann man nebenher machen. Ist klasse», steht Fussi83 recht einsam da.

Dennoch: Trennungsgespräche sind unbequem. Wer kann, drückt sich. Auch so geht's: Auf der Seite Trennungsagentur.com bietet der Unternehmer Bernd Dressler seine Hilfe an. «Warum den unangenehmen Teil der Trennung nicht einfach einem Profi überlassen?» Er habe seit August 2006 mehr als 140 Beziehungen beendet, sagt er der dpa. Seine Kunden können wählen zwischen «Lass uns Freunde bleiben» und «Lass mich in Ruhe.» Per Telefon oder ganz persönlich – im Treppenhaus – spricht Dressler dann mit den künftigen Ex-Freunden / -Freundinnen. Gut 20 Euro kostet das.

In den USA ist ein ähnlicher Dienst etwas teuer, bringt aber angeblich ein interessantes Plus: Für 100 Dollar kümmern sich so genannte break-up artists (Schlussmach-Künstler) um den bisherigen Partner. Angeleitet vom Motivationstrainer Brian Norris tun sie dies so geschickt, dass das Trennungsopfer sich schließlich über das Ende der Beziehung freut.

Kein Wunder, dass die als Satire gedachte Internetseite Schlussmachen.com mit dem Werbespruch «Nur eines müssen Sie in Zukunft noch selber trennen: Ihren Müll» bei ihrem Start vor gut einem Jahr für bare Münze genommen wurde. «Ich habe einige E-Mails bekommen und Leute haben mir ins Gästebuch geschrieben, ich sollte mir mal überlegen, was ich da mache», erzählt der Webdesigner Florian Aichhorn im Interview mit Jetzt.de. Und spätestens als der erste Auftrag kam und er bei der Trennung von einer Schwangeren helfen sollte, wurde ihm «das Ganze zu heiß». Erkenntnis: «Die haben alle übersehen, dass es sich um eine Satire handelte.» Aichorn verkaufte die Seite für 7000 Euro bei Ebay.

Vielleicht sollte man sich auch gleich die ganze Beziehung sparen. Auch dafür gibt es Tipps und Tricks im Internet. Wem es zu langweilig ist, dem interessierten Mann in der Bar eine Telefonnummer mit Zahlendreher auf den Zettel zu kritzeln, kann in den USA bei Rejecthotline.com nachschauen. Dort sind Nummern zu haben, die den Anrufer zu einer Stimmaufzeichnung führen: «Wir wissen, dass das total blöd ist, aber die Frau will nichts von dir wissen. Es tut uns leid. Vergiss sie am besten.»