Babyboom neun Monate nach Fußball-WM
11.02.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Eigentlich wollten Jennifer Koch und ihr Freund Tobias Amend gar nicht Fußball sehen. Aber der Musicalbesuch in Hamburg während der Weltmeisterschaft 2006 forderte seinen Tribut. Die beiden Nordhessen blieben vor einer Großleinwand hängen und bekamen so hautnah den Sieg der deutschen Mannschaft gegen Schweden mit. «Wir waren so euphorisiert, das musste sich irgendwie fortsetzen», sagt Jennifer. Die Nacht wird beiden in Erinnerung bleiben es war die Nacht, in der ihr erstes Kind gezeugt wurde. Kein Einzelfall: Neun Monate nach der Fußball-Weltmeisterschaft kündigt sich in Deutschland ein Babyboom an.
«Mehr Geburten neun Monate nach solch einem Ereignis sind nur auf dem ersten Blick überraschend», sagt Rolf Kliche von der Kasseler Geburtsklinik Dr. Koch. «Die Einstellung des eigenen Körpers und die Rolle der Hormone werden oft unterschätzt. Wer eine positive Grundstimmung hat, wird auch einfacher schwanger.» Genaue Zahlen über einen WM-Babyboom gebe es aber erst in ein paar Monaten. «Aber unsere Geburtsvorbereitungskurse sind übervoll.»
In Berlin waren im Sommer auch Anja Ackermann und Frank Schäffer. «Eigentlich wollten wir ja ins Museum. Aber von der Stimmung wurden selbst wir Fußballmuffel mitgerissen», bekennt der junge Mann aus dem nordhessischen Lohfelden. Schließlich waren beide jeden Abend auf der Fanmeile. «Und die Euphorie haben wir dann irgendwie mit ins Hotel genommen», erklärt die junge Frau, über deren Bauch sich ein T-Shirt mit der Aufschrift «Unterwegs!» spannt. Eine Junge wird es, zur Welt kommen soll er am 8. April fast auf den Tag genau neun Monate nach dem Endspiel am 9. Juli 2006 in Berlin.
Auch Heike und Markus Brede befiel nicht nur das Fußball-Fieber. «Freunde hatten einen Beamer in der Garage aufgebaut, dazu der Grill und die WM-Stimmung war da», sagt der Mann aus dem hessischen Vellmar. Am 11. März soll noch etwas anderes da sein: Ein kleines Mädchen, deren Ursprünge in etwa auf das Eröffnungsspiel am 9. Juni zurückgehen. «Da haben wir wohl von dem Jubel etwas mit nach Hause genommen», sagt Heike. Es ist das zweite Kind für die beiden, der gut zwei Jahre alte Marlon musste seinen Wickeltisch räumen. «Jetzt freut er sich auch. Obwohl er lieber eine Katze haben wollte.»
Jennifer Koch und ihr Freund Tobias sind mittlerweile Fußballfans. «Nicht die ganz Verrückten, aber ab und zu bleiben wir dann doch hängen.» Immerhin verbinde beide mit dem Ball eine wertvolle Erinnerung: «Die bestgenutzte Halbzeitpause unseres Lebens.» (dpa)

