netzeitung.deStatiker verwundert über Hauptbahnhof- Mängel

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Herabgestürzter Träger am Berliner Hauptbahnhof (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Herabgestürzter Träger am Berliner Hauptbahnhof
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Statiker bewerten das Herabstürzen von tonnenschweren Trägern am Berliner Hauptbahnhof als «schwerwiegend». Ein Prüfingenieur vermutet auf Netzeitung.de, dass ein Konstruktionsfehler zu dem Unglück beigetragen hat.

Nach dem Herabfallen von Stahlträgern am Berliner Hauptbahnhof vermutet der Berliner Statiker Horst Franke neben dem Orkan «Kyrill» eine weitere Unglücksursache. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Träger nur vom Wind heruntergeblasen wurden», sagte der frühere Präsident der Berliner Baukammer auf Netzeitung.de. «Ein möglicher Grund wäre, dass das Auflager, auf dem die Träger liegen, nicht in Ordnung war.»

Franke zeigte sich erstaunt über die Konstruktion der Hauptbahnhof-Fassade. «Dass die Träger ganz ohne jegliche Befestigung auflagen, wundert mich schon.» Zwar sei eine gewisse Beweglichkeit der 100 jeweils rund 20 Tonnen schweren Stahlträger «sicher notwendig» gewesen. Die komplett lose Konstruktion sei aber «sehr ungewöhnlich». Dies müsse aber nicht bedeuten, dass fahrlässig gehandelt wurde. Stahlbaufirmen schweißen nun zusätzliche Metallplatten an, um zu verhindern, dass sie sich die Träger aus ihrer Verankerung lösen können. Dies ist aus Sicht Frankes eine «Notmaßnahme, aber keine Lösung».

Der Darmstädter Statiker Johann-Dietrich Wörner bewertet das Herabstürzen der Träger indes als erheblichen Zwischenfall. «Wenn Leib und Leben bedroht sind, ist ein Schaden als schwerwiegend einzuschätzen», sagte der Professor an der Technischen Universität Darmstadt auf Netzeitung.de und fügte hinzu: «Das war hier offensichtlich der Fall.» Allerdings könne es immer unvorhersehbare Einwirkungen geben. Ein Statiker plane mit «definierter, sehr geringer Versagenswahrscheinlichkeit». Ausschließen ließe sich dieses Versagen aber nie, sagte Wörner.

Auf dem Vorplatz aufgeschlagen
Die Verantwortung für derartige Vorfälle liege «grundsätzlich beim planenden Ingenieur». Medienberichte, wonach der jeweils zuständige Prüfingenieur die Verantwortung trage, wies er als falsch zurück. Der Prüfingenieur entlaste den planenden Ingenieur «nicht von der Verantwortung».

Ein Orkan hatte am Donnerstagabend mehrere tonnenschwere horizontale Träger aus einer Stahlkonstruktion des Bahnhofs gerissen. Einer schlug auf einer Treppe des Bahnhofsvorplatzes auf. Bis zum Wochenende sollen die Träger so gesichert werden, dass sie auch bei Sturm fest sitzen.

Die Bahn macht indes Schadenersatz in Millionenhöhe geltend. Das Unternehmen werde «den Verantwortlichen rechtlich und finanziell zur Verantwortung ziehen», sagte der für Personenbahnhöfe zuständige Vorstandsvorsitzende Wolf-Dieter Siebert.

Siebert sagte, die Bahn rechne mit einem Schaden in Millionenhöhe. Neben dem materiellen Schaden sei auch ein Imageschaden entstanden. Architekt, Baufirmen, Ingenieurbüros und Statiker müssten viele Fragen beantworten.


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