netzeitung.de«Kyrill» kommt aus den USA

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Satelitenbild des Orkans 'Kyrill' (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Satelitenbild des Orkans 'Kyrill'
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Konstellation, die zur Entstehung des Orkans «Kyrill» geführt hat, ist ungewöhnlich. Schuld ist das Hoch über Spanien und ein Tiefdruckgebiet aus den USA.

Orkan «Kyrill» ist als gewöhnliches Tiefdruckgebiet vor drei oder vier Tagen auf dem Atlantik vor der amerikanischen Ostküste entstanden und zunächst nach Norden gewandert. Es habe sich ein typischer zyklonaler Wirbel gebildet, erläuterte Meteorologe Stefan Külzer vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

«Warme Luft aus Süden wurde angesaugt, kalte Luft aus Norden zugemischt. Die warme Luft stieg auf und begann sich zu drehen - wie in allen Tiefdruckgebieten gegen den Uhrzeigersinn. Wind entstand und verstärkte sich zum Sturm.» Mehrere Bedingungen seien nötig gewesen, dass sich das gewöhnliche Tiefdruckgebiet zu einem Orkan auswachsen und ganz Deutschland erfassen konnte, sagte der Meteorologe. Entscheidend seien große Luftdruckgegensätze zwischen «Kyrill» und einem Hoch über Spanien sowie die mit rund 1400 Kilometern relativ kurze Entfernung zwischen den beiden Druckgebilden. «Je geringer der Abstand, desto mehr Wind gibt es», sagte Külzer.

Kurs des Tiefs entscheidend
Diese Konstellation sei zwar in der Meteorologie nichts Besonders, allerdings treffen die Auswirkungen nicht oft ganz Deutschland, und das liege am Kurs der Tiefs. «Die Zugbahn der Atlantik-Tiefs hat sich nach Süden verlagert», sagte Külzer. Derzeit liege Deutschland genau im Sturmfeld etwas südlich des Kerns. «Kyrills» Kern zieht über Dänemark zur Ostsee - wie bei Hurrikans ist es im Kern des Tiefs nur schwach windig, dafür herrscht an den Rändern heftige Luftbewegung. Gewöhnlich ziehen die Tiefs mit ihren Kernen weiter nördlich durch, so dass nur ein Teil von Deutschland betroffen ist.

Mit einem Kerndruck von 975 Hektopascal lag «Kyrill» am Donnerstagmittag über den Britischen Inseln, im Hoch über Spanien herrschte zur selben Zeit ein Druck von 1035 Hektopascal - für die Meteorologen ist dieser Unterschied sehr hoch. Normaler Druck beträgt nach Külzers Worten 1013 Hektopascal. (nz)