28.12.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Eisbär hüpft von einer Eisscholle zur nächsten.
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Wissenschaftler befürchten, Eisbären könnten als Folge der Klimakatastrophe bis Ende des Jahrhunderts aussterben. Der US-Innenminister will sie nun auf die Liste der bedrohten Tiere setzen.
Die USA wollen Eisbären als gefährdete Tierart anerkennen. Dies schlug Innenminister Dirk Kempthorne am Mittwoch vor. Eisbären seien als Folge der Erderwärmung bedroht und müssten von der Regierung besser geschützt werden.
Nach Angaben des Innenministeriums sind die Polareiskappen in den vergangenen zwei Jahrzehnten um 20 Prozent abgeschmolzen. Damit werde es für die in der Nordpolarregion lebenden Eisbären immer schwieriger, auf Eisschollen im Wasser zu treiben, zu jagen und Jungtiere aufzuziehen. In der Hudson Bay in Kanada sei die Population bereits um 20 bis 22 Prozent zurückgegangen. Der Eisbär kann nach Schätzungen des Innenministeriums bereits Mitte des Jahrhunderts vom Aussterben bedroht sein.
«Eisbären gehören zu den letzten Überlebenden in der Natur, die unter rauesten Umweltbedingungen leben und gedeihen können», sagte Kempthorne. Weltweit lebten rund 20.000 bis 25.000 Eisbären. 4700 davon in Alaska.
Die internationale Naturschutzunion hatte den Eisbär in diesem Jahr auf der aktuellen Roten Liste wieder in die Gruppe der bedrohten Tierarten hochgestuft, nachdem er vor zehn Jahren heruntergestuft worden war. Der US-Kongress hat Anfang Dezember einen Vertrag mit Russland verabschiedet, wonach die zwischen beiden Ländern pendelnden Tiere besser geschützt werden sollen.
Erhebliche politische AuswirkungenAus Sicht der «Washington Post» hat die Regierung von George W. Bush eingestanden, dass der Klimawandel den Fortbestand einer der bekanntesten Tierarten der Welt gefährde. Der Regierungsvorschlag könne wegen des Zusammenhangs von Klimawandel und möglichen Aussterben der Eisbären erhebliche politische Auswirkungen haben,schreibt die «Washington Post» weiter. Es stelle sich beispielsweise die Frage, ob die US-Regierung Unternehmen zur Drosselung des Ausstoßes von Treibhausgasen wie Kohlendioxid zwingen könne, um die Eisbären zu schützen.
Die Mehrheit der Wissenschaftler geht davon aus, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen dem Ausstoß von Treibhausgasen wie Kohlendioxid und der globalen Erwärmung gibt. Die US-Regierung hat das Kyoto-Protokoll nicht unterzeichnet und plädiert stattdessen dafür, dass Unternehmen den Ausstoß von Kohlendioxid freiwillig beschränken. Wegen einer Klage von mehreren Bundesstaaten beschäftigt sich jetzt auch der Oberste Gerichtshof in den USA mit dem Thema Klimawandel. (nz)