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Computerspiel soll Ursache für Mord sein

11. Dez 2006 15:14
Computerspieler in einem Internet-Cafe
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Ein Playstation-Spiel soll für einen Mord an einem Obdachlosen mitverantwortlich sein. Der Jugendliche hat am Computer durchgespielt, was er in der Wirklichkeit dann wiederholt hat, meint ein Hirnforscher.

Der brutale Mord an einem Obdachlosen in Cottbus ist nach Ansicht eines renommierten Hirnforschers von einem Computerspiel mit ausgelöst worden. «Ein Zusammenhang lässt sich in diesem Fall nicht wegdiskutieren», sagte der Leiter der Universitätsklinik für Psychiatrie Ulm, Manfred Spitzer, vor dem Landgericht Cottbus.

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Ein 19-Jähriger hatte gestanden, sein Opfer mit zahlreichen Faustschlägen und Tritten ins Gesicht getötet zu haben. «Hier ist etwas am Computer mehrmals durchgespielt worden, was dann in der Wirklichkeit wiederholt wurde», sagte Spitzer, der als scharfer Kritiker von Gewaltdarstellungen im Film und Fernsehen bekannt ist. Anders könne die Tat mangels Motiv aus seiner Sicht nicht erklärt werden. Es sei nicht auszuschließen, dass der Angeklagte in seiner Steuerungsfähigkeit beeinflusst worden sei.

«Er hat nicht die volle Kontrolle über sich gehabt», sagte der Wissenschaftler. Auch der Alkoholpegel des Angeklagten und dessen allgemeiner Frust über sein Leben seien zu beachten. Sollten die Richter die Steuerungsfähigkeit als erheblich eingeschränkt einschätzen, kann der mutmaßliche Mörder mit einer milderen Strafe rechnen. Vor der Aussage des Hirnforschers war das umstrittene Wrestling-Spiel «Smack Down vs. Raw 2006» im Gerichtssaal vorgeführt worden. Dabei wurde deutlich, dass die Mitspieler am Bildschirm dem Gegner ins Gesicht schlagen und auf dessen Kopf herumspringen, wenn er am Boden liegt.

Die Darstellungen wirken jedoch eher wie ein Comic. Angeklagter und Opfer hatten sich erst kurz vor der Tat am 10. Juli 2006 in Cottbus an einer Haltestelle kennen gelernt. Dort hatte der Täter dem Obdachlosen eine Bleibe für die Nacht angeboten.

Nach mehreren Stunden des brutalen Spiels an der Playstation hatte er sein Opfer auf dem Heimweg eine Treppe hinab gestoßen. Als der Mann wehrlos am Boden lag, schlug und trat er ihn so stark ins Gesicht, dass die Knochen zerbrachen. Dann ließ er ihn liegen.

Dem medizinischen Gutachten zufolge erstickte der Obdachlose an seinem eigenen Blut. Der Angeklagte hatte erklärt, er habe die Szenen des Computerspieles in der Wirklichkeit nachgeahmt. Nachdem er gegen seinen Bekannten am Bildschirm ständig verloren hatte, habe er auch einmal gewinnen wollen. Sein Opfer habe er aber nicht töten wollen. (nz)

 
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