netzeitung.deColumbine-Morde Vorbild für Emsdetten-Täter

 Herausgeber: netzeitung.de

Tatort in Emsdetten (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Tatort in Emsdetten
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Der Amokläufer von Emsdetten hat sich am Massaker an der Columbine High School orieniert. Das geht aus Tagebuchaufzeichnungen hervor. Ein Internet-Auktionshaus bestätigte inzwischen die Waffenkäufe des 18-Jährigen.

Der Amokläufer von Emsdetten hat sich seine Waffen teilweise im Internet besorgt. Das Darmstädter Auktionshaus eGun bestätigte am Mittwoch, dass der 18-jährige Täter in den vergangenen zwei Monaten an drei Internetauktionen teilnahm, bei denen er Waffen kaufte. Allerdings handele es sich ausschließlich um Waffen, die ab 18 Jahren frei zu erwerben seien. Staatsanwalt Wolfgang Schweer bestätigte in Münster, es gebe keine Ermittlungen gegen Internet-Anbieter. Zwei altertümliche Vorderladerwaffen, die der Amokläufer benutzte, sind nach den bisherigen Erkenntnissen ganz legal zu kaufen. Bei der dritten Waffe, einem erlaubnispflichtigen Kleinkalibergewehr, gebe es noch keinerlei Hinweise, woher sie stamme.

«Nach der geltenden Rechts- und Gesetzeslage hätte der Täter die fraglichen Einkäufe jederzeit auch in einem Waffengeschäft vornehmen können», teilte eGun mit. Das Unternehmen betonte, es habe nicht gesetzwidrig gehandelt: «Die Firma eGun bedauert aufrichtig die schlimmen Vorfälle von Emsdetten, insbesondere, dass hierbei Menschen verletzt wurden, und verurteilt die Tat auf das
Schärfste.»

«Eric Harris ist Gott»
Wie aus am Mittwoch veröffentlichten Tagebuchaufzeichnungen hervorgeht, war das Massaker an der Columbine High School mit 13 Toten offenbar Vorbild für den Amokläufer. Der 18-Jährige schrieb nach einem Bericht der «Bild»-Zeitung in seinem Tagebuch über den amerikanischen Amokläufer: «Eric Harris ist Gott.» Aus seinen Fehlern habe er gelernt. Am 20. April 1999 hatte Harris zusammen mit einem Mittäter 13 Menschen und danach sich selbst getötet. Den Entschluss zur Tat fasste der Ex-Schüler laut Tagebuch spätestens zwei Wochen vor den blutigen Ereignissen und beschloss, in den folgenden Tagen Rohrbomben, Molotowcocktails und Rauchbomben zu bauen. Am 18. November notierte er dem Bericht zufolge: «In drei Tagen ist alles vorbei! Die Leute werden tot auf dem Schulhof liegen, die Schule wird brennen, und mir wird das Gehirn weggeblasen!»

Ermittler bezeichneten die Tagebuchaufzeichnungen als authentisch. Der Amokläufer hatte sie der Zeitung zufolge in der Nacht vor der Tat per E-Mail an Freunde verschickt und die Originale verbrannt. Mitleid hatte er danach nur mit seiner Familie: «Bitte helft meinen Eltern, meiner Oma, meiner Schwester und meinem Bruder. Ich liebe sie! Und ich hasse mich dafür, dass ich ihnen wehtue», zitierte die Zeitung aus dem Tagebuch. Den letzten Eintrag machte er in der Nacht vor dem Amoklauf: «That's it» (Das war's). Bei dem Amoklauf am Montag waren 37 Menschen verletzt worden, der 18-Jährige brachte sich mit einem Kopfschuss um.

Schule bleibt vorläufig gesperrt
Identifiziert sind nach Angaben der Polizei inzwischen die Mitspieler in den Videos des Täters. Es gebe jedoch zur Zeit keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass sie von der Tat gewusst hätten oder gar daran beteiligt gewesen seien, betonte die Staatsanwaltschaft. Insgesamt hat die Polizei inzwischen mehr als 100 Zeugen vernommen.

Die Geschwister-Scholl-Realschule bleibt vorläufig weiter geschlossen. «Wenn die Schüler wieder zum Unterricht kommen, dürfen keine Spuren von den Ereignissen mehr da sein und die Wunden aufreißen», sagte eine Sprecherin der Stadtverwaltung. Mit der Abriegelung des Gebäudes wollen die Behörden auch verhindern, dass Fotos von den Räumen an die Öffentlichkeit gelangen. (nz)