Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Schul- Schütze hinterließ Hass-Brief

20. Nov 2006 14:52, ergänzt 20:16
Spezialkräfte der Polizei vor der Geschwister-Scholl-Schule in Emsdetten
Bild vergrößern
Abscheu und Frust trieben einen 18-Jährigen, als er an einer Realschule in Nordrhein-Westfalen um sich schoss. Zuvor attackierte der Ex-Schüler seine Mitmenschen noch einmal im Internet.

Vor seiner Waffen-Attacke auf eine Realschule im nordrhein- westfälischen Emsdetten hat der Täter einen Abschiedsbrief im Internet veröffentlicht. Nach Erkenntnissen der Polizei ist er authentisch.

Mehr in der Netzeitung:
  • Polizei muss Sprengsätze entschärfen 20. Nov 2006 11:26, ergänzt 13:17
  • Hintergrund: Die Realschule in Emsdetten 20. Nov 2006 15:17
  • Demnach waren die Schüsse vom Montagvormittag ein Racheakt: «Das einzigste, was ich intensiv in der Schule beigebracht bekommen habe, war, dass ich ein Verlierer bin», heißt es in dem Text, in dem auch die Geschwister-Scholl-Schule mit der Abkürzung GSS genannt wird.

    Bilderschau:
    «Ihr habt Euch über mich lustig gemacht, dasselbe habe ich nun mit euch getan, ich hatte nur einen ganz anderen Humor», schrieb der Schütze weiter. «Ich will, dass sich mein Gesicht in eure Köpfe einbrennt. Ich will Rache! Ich hasse euch und eure Art. Ihr müsst alle sterben!»

    Fanatischer «Counterstrike»-Spieler

    Auf Fotos seiner Website posiert der junge Mann mit Waffen, darunter auch eine Maschinenpistole. «Ich verabscheue Menschen», heißt es. Der Brief schließt mit den Worten: «Ich bin weg...».

    Szene aus dem Computerspiel 'Counterstrike'Foto: Counter-Strike.net
    Bild vergrößern
    Der 18-Jährige hatte in der Emsdettener Geschwister-Scholl-Schule um sich geschossen und 37 Menschen verletzt. Darunter sind 16 Polizisten, die den Rauch von Gasbomben einatmeten, die der Täter in der Schule gezündet hatte. Fünf Personen trafen Schüsse. Der Hausmeister der Schule und zwei Kinder wurden nach Behördenangaben schwer verletzt.

    Bei der Bergung der Leiche habe der Schulschütze 13 Rohrbomben und vier Gewehre bei sich gehabt, sagte Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer im ZDF. Eine der Rohrbomben sei in der Nähe des Mannes im 2. Obergeschos der Geschwister-Scholl-Realschule explodiert. Die Sprengstoffexperten der Polizei hatten sich der Leiche wegen der Explosionsgefahr vorsichtig nähern müssen. Die Polizei ging von einer Selbsttötung aus. «Es hat keinen Schusswaffengebrauch durch die Polizei gegeben», sagte Einsatzleiter Hans Volkmann.

    Am Dienstag wollen Ermittler den Täter obduzieren lassen. Der Mann sei ein ehemaliger Schüler und im Ort bekannt gewesen, berichtet die «Neue Osnabrücker Zeitung». Wie in Internet- Foren zu lesen ist, zählte er zur Fangemeinde des oft als Gewalt verherrlichend kritisierten Computerspiels «Counterstrike».

    Relativ verstört

    Der Münsteraner Staatsanwalt Wolfgang Schweer sagte, der Schütze habe allein gehandelt. Bereits vor der Tat sei er auffällig geworden: Gegen ihn lief demnach ein Verfahren wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz, weil er mit einer scharfen Waffe angetroffen worden war. Die Hauptverhandlung vor dem Jugendgericht in Rheine deswegen war für Dienstag geplant.

    Bei der Identifizierung des Täters half ein Schüler der Polizei: Er habe den 18-jährigen Schützen getroffen, als dieser auf dem Weg zur Schule war, hieß es. Der Täter hat nach Aussagen des Zeugen «einen relativ verstörten» Eindruck gemacht. Daraufhin habe sich der Schüler an die Polizei gewandt.

    «Er trug immer schwarze Klamotten und Springerstiefel», ließen sich Mitschüler zitieren. Sie und Lehrer rückzen den Täter in die Nähe zum Satanskult: «Wir hatten Angst vor ihm.» Der junge Mann soll erst in diesem Jahr seinen Abschluss gemacht haben.

    Kein normaler Unterricht

    Als der Täter auf dem Schulhof zu schießen begann, hätten die Mitschüler zunächst an Knallkörper gedacht, berichtet die «Neue Osnabrücker Zeitung». Als klar wurde, dass es sich um Schüsse handelte, habe sich ein Teil ins Lehrerzimmer der Schule geflüchtet. Andere hätten das Schulgelände verlassen.

    Bereits am Dienstag sollen die mehr als 600 Mädchen und Jungen wieder zur Schule gehen. Allerdings werde es keinen herkömmlichen Unterricht geben, kündigte Nordrhein-Westfalens Schulministerin Barbara Sommer (CDU) an.

    Die Kinder und Jugendlichen werden voraussichtlich viele Monate mit der Verarbeitung der Schießerei beschäftigt sein. «Erfahrungsgemäß bleibt das Thema von der psychischen Belastung her ein halbes Jahr vorhanden, weil dieser Zeitraum der Verarbeitung einfach notwendig ist», sagte der Bielefelder Notfallpsychologe Werner Wilk der Nachrichtenagentur dpa. (nz)

     
    Drucken
    VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
     
    Zu weiteren Bildergalerien
    Zu weiteren Bildergalerien
    Zum Wissenstest

    Alle Wissenstests

    Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
    Live Top 5
    netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
    •  Berlin 18°
    •  Hamburg 17°
    •  Köln 17°
    •  Frankfurt 19°
    •  Stuttgart 18°
    •  München 18°
    Zur Autogazette
    Aus anderen Ressorts

    Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
    NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
    Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
     
    Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
     
    IT & Security by Procado
     
    [ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
    Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.