16.11.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Gunther von Hagens
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Im brandenburgischen Guben steht nun das weltweit erste Haus, in dem öffentlich Leichen plastiniert und präsentiert werden. Darin sehen viele einen Angriff auf die Menschenwürde.
In Guben ist das umstrittene Plastinarium von Anatom Gunther von Hagens vor geladenen Gästen eröffnet worden. Es soll sich nach den Worten von Hagens' zu einer Attraktion entwickeln.
«Ich hoffe, dass sehr viele Menschen dieses Plastinarium besuchen, das für die Selbstbestimmung nach dem Tode steht», sagte der 61- jährige Anatom bei der Präsentation in der Neißestadt. Der Leiter des Heidelberger Instituts für Plastination verteidigte die Einrichtung gegen die Kritiker vom Aktionsbündnis für Menschenwürde. Diese protestierten mit Transparenten und einer Mahnwache vor dem Gebäudekomplex.
Kirche prüft VerfassungsklageLandrat Dieter Friese (SPD) wies darauf hin, dass mit dieser Ansiedlung zahlreiche Arbeitsplätze in der Stadt entstünden. Der evangelische Pfarrer Michael Domke kritisierte, das Zurschaustellen von Leichen verletze die Würde des Menschen. Die evangelische Landeskirche prüfe eine Verfassungsklage gegen das Projekt.
Das Plastinarium wurde im restaurierten Gebäude der ehemaligen Tuchfabrik «Gubener Wolle» eingerichtet. Ein Teil davon beherbergte bis zum Sommer das Rathaus der Stadt.
Eine Ausstellung informiert über die Präparation und die Geschichte der Plastination. In einer Schauwerkstatt wird gezeigt, wie Plastinate von Mensch und Tier entstehen. Außerdem sind Exponate für von Hagens' umstrittene Ausstellung «Körperwelten» zu sehen. Für Besucher öffnet die Einrichtung an diesem Freitag. Sie ist auch am Wochenende geöffnet. (nz)