11. Nov 2006 13:46
Der Sexualverbrecher Mario M. ist zwar hochintelligent, aber auch «schwer gestört». Das bescheinigte der Gerichts-Gutachter. Der Anwalt vermutet den Grund dafür in M.s platter Nase.
Seit Montag muss sich der arbeitslose Anlagenmonteur M. wegen Vergewaltigung, Geiselnahme, Kinderpornografie und anderer Straftaten vor dem Dresdner Landgericht verantworten. Er hatte zu Prozessbeginn gestanden, Anfang des Jahres die damals 13 Jahre alte Schülerin Stephanie entführt und wochenlang sexuell misshandelt zu haben. Er war 1999 wegen schweren Kindesmissbrauchs zu drei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt worden. Nach einem positiven Gutachten kam er nach Verbüßung von zwei Dritteln der Strafe auf Bewährung frei.M. war am Mittwoch beim Hofgang seinen beiden Bewachern entwischt und auf ein Gefängnisdach geklettert, wo er rund 20 Stunden ausharrte. Nach dieser spektakulären Kletteraktion forderte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, eine grundlegende Überprüfung aller Gefängnisse. «Dass ein gefährlicher Straftäter mit der Justiz Katz und Maus spielen kann und damit den Rechtsstaat verhöhnt, dürfen wir nicht mehr zulassen», sagte Freiberg der «Passauer Neuen Presse».
Solche Pannen seien «unter keinen Umständen hinnehmbar». Es müsse immer wieder neu geprüft werden, ob bei diesen Tätern im Strafvollzug nicht schärfere Bedingungen gelten sollten. Freiberg warnte davor, im Strafvollzug den Weg der Privatisierung zu gehen: «Hier ist einzig und allein der Staat in der Verantwortung.» (nz)