10. Nov 2006 15:21
Trotz großer Beweislast hat der Richter einen angeklagten Türken in Hagen freigesprochen. Die Morde an der 32-jährigen Frau und dessen Freund bleiben damit zunächst ungesühnt.
Von Helge TobenIm Zweifel für den Angeklagten: Dieser alte Rechtsgrundsatz sorgte am Freitag im Hagener «Ehrenmord»-Prozess für den Freispruch eines 38-Jährigen. Der Türke war angeklagt gewesen, am vergangenen Silvesterabend in Iserlohn die 32-jährige ehemalige Lebensgefährtin seines Bruders und deren 23-jährigen neuen Freund auf der Straße aus nächster Nähe mit Kopfschüssen getötet zu haben. Tatmotiv soll laut Staatsanwaltschaft die Wiederherstellung der «Familienehre» gewesen sein. Aus Mangel an Beweisen wurde der Iserlohner nun freigesprochen.
Das Opfer hatte über fünf Jahre mit dem Bruder des Angeklagten zusammengelebt. Sie hatten einen zur Tatzeit zweijährigen Sohn. Im August 2005 trennten sie sich. Danach schikanierte ihr ehemaliger Partner die Frau. Der Streit eskalierte, als sie eine neue Beziehung einging.Der Vorsitzende Richter Horst Werner Herkenberg sprach in der Urteilsbegründung von einem «unerträglichen Kesseltreiben» mit Einschüchterungsversuchen, Beschimpfungen, Auflauern und sogar Todesdrohungen. Dem Mann sei zeitweise gerichtlich verboten worden, sich der Frau zu nähern. Drei Wochen vor der Tat kam es zu einer Schlägerei zwischen den Familien des neuen Partners und des Angeklagten, bei der auch Eisenstangen zum Einsatz kamen.