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Stephanie-Peiniger harrt auf Gefängnisdach aus

08. Nov 2006 10:16, ergänzt 20:31
Polizeipsychologen haben von einer Arbeitsbühne aus Kontakt zu Mario M. aufgenommen
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Der auf das Dach seiner Haftanstalt entkommene Angeklagte im Fall Stephanie befindet sich weiterhin auf dem Gefängnis. Nach mehr als zwölf Stunden war es noch immer nicht gelungen, ihn zum Herunterkommen zu bewegen.

Der Angeklagte im Dresdner Stephanie-Prozess ist am Mittwochmorgen auf das Dach seines Gefängnisgebäudes geklettert. Eine Spezialeinheit des Landeskriminalamtes versuchte, ihn zur Aufgabe zu überreden. Nach über zwölf Stunden war es am Abend immer noch nicht gelungen, den vorbestraften Sexualstraftäter Mario M. zum Verlassen des Daches zu bewegen.

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Die Staatsanwaltschaft rechnete dennoch damit, dass der Prozess um die Geiselnahme und Vergewaltigung der heute 14-jährigen Stephanie an diesem Donnerstag fortgesetzt werden kann. Ein Motiv für seine Dach-Flucht ist nicht bekannt. Das Justizministerium geht nicht davon aus, dass der 36-Jährige fliehen will. «Das ist von dieser Stelle der Justizvollzugsanstalt nicht möglich», sagte Ministeriumssprecher Martin Marx. Das Gebäude befinde sich etwa 15 Meter von der Außenmauer entfernt. Es habe zu keinem Zeitpunkt «Gefahr für Leib und Leben» von Beamten oder Gefängnisinsassen bestanden.

Polizeisprecher Thomas Herbst beschrieb der Netzeitung am Nachmittag die Lage: «Mario M. steht in Anstaltskleidung auf dem Dach eines einzelnen Gebäudes. Beamte haben über eine ausfahrbare Arbeitsbühne bereits zweimal Kontakt zu ihm aufgenommen.» Über die Forderungen und den Inhalt der Gespräche hat die Polizei mit der Justiz Stillschweigen vereinbart. Der Prozess solle nicht gestört werden, hieß es zur Begründung.

Während der ersten Kontaktaufnahme hätte M. noch nichts erhalten - weder Kleidung noch Lebensmittel, schilderte Polizeisprecher Herbst. «Dafür waren wir nicht nah genug an ihm dran.»

Herbst warnte auch vor einer Übermüdung M.'s: «Wir sollten ihn unbedingt vorher zum Herunterkommen überreden, bevor er droht einzuschlafen und vielleicht zu stürzen». Aus diesem Grund wäre auch der Einsatz eines Betäubungsgewehres oder eine Überwältigung durch das einsatzbereite SEK nicht ratsam.

Schriftstück übergeben

Im Verlauf einer zweiten Kontaktaufnahme sei Mario M. von den Polizeipsychologen ein Schriftstück übergeben worden. «Zum Inhalt und der Herkunft des Zettels sagen wir momentan noch nichts», so Herbst.

Für die Verhandlungen sei eine spezielle Einsatzgruppe des Landeskriminalamtes Sachsen, die so genannte «Verhandlungsgruppe» zuständig. Eine, wie Herbst sagte, «bunte Truppe aus vielen Fachrichtungen», die alle psychologisch geschult seien. Sie hätten vor Ort vorbereitende Maßnahmen getroffen. Dazu zähle auch der Einsatz des Gefängnisseelsorgers und des Anwalts von Mario M., um im auf eventuelle Forderungen eingestellt zu sein.

An Gitterstäben hochgehangelt

Die Polizei hofft, dass sie ihn überzeugen kann, nicht zu springen. «Hätte er sich umbringen wollen, wäre er längst gesprungen», sagte Herbst. Eine mögliche Gefahr sieht der Polizeisprecher dennoch: «Das Haus steht allein, er hat theoretisch vier Seiten, von denen er springen könnte. Das kann die Feuerwehr mit Sprungtüchern nicht abdecken».

Er sei gegen 7.25 Uhr zusammen mit zwei Gefangenen und zwei Bewachern draußen gewesen und habe blitzschnell die Fassade des Hauses erklommen, schilderte der Leiter der Justizvollzugsanstalt Ullrich Schwarzer. Der 36-Jährige habe sich offenbar an den Gitterstäben das Fenster hoch gehangelt.

Der Angeklagte muss sich wegen Vergewaltigung, Geiselnahme und anderer Straftaten verantworten. Er hatte Anfang 2006 die Schülerin Stephanie fünf Wochen in seiner Wohnung gequält. Für Donnerstag ist der nächste Prozesstag angesetzt. (nz)

 
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