netzeitung.deRätsel um Bär Mitrofan und Spaniens König

 Herausgeber: netzeitung.de

Der spanische König im Kreise seiner Familie. Hat er den Bär erschossen? (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Der spanische König im Kreise seiner Familie. Hat er den Bär erschossen?
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Wo ist Mitrofan? Der rostige Käfig, in dem der Braunbär in der russischen Region Wologda sein Leben fristete, ist leer. Einige glauben, dass der spanische König mehr damit zu tun hat, als das Königshaus zugibt.

Von Hubert Kahl und Friedemann Kohler

Der russische Bär Mitrofan sitzt nicht mehr in seinem Käfig. Und das seit ziemlich genau zwei Wochen. Damals hatte der russische Bär Mitrofan, eine Attraktion in einem Dorf 400 Kilometer nördlich von Moskau, für Schlagzeilen in der internationalen Presse gesorgt. Der spanische König Juan Carlos habe das zahme Tier bei einer Jagd erschossen, berichtete der Forstbeamte Sergej Starostin in einem Beschwerdebrief an seine Vorgesetzten.

Jagdhelfer hätten das Tier mit einem Gemisch aus Wodka und Honig betrunken gemacht, in ein Jagdrevier transportiert und dem Monarchen regelrecht vor die Flinte geführt.

«Seine Königliche Hoheit Juan Carlos erlegte Mitrofan mit einem Schuss», schrieb Starostin. Als der Brief publik wurde, war die Empörung in Spanien groß. Die Spanier wissen, dass ihr König ein leidenschaftlicher Jäger ist. Gerade deshalb erschien es unvorstellbar, dass der Monarch in einer inszenierten Jagd auf einen zahmen Bären schießen könnte. Und Mitrofan war nach Worten des Forstbeamten «so zahm, dass er sogar Angst vor Hunden hatte».

Dorfbewohner erzählten, der Bär habe sich von Kindern füttern lassen. Das spanische Königshaus wies die Berichte aus Russland als «lächerlich» zurück. Es wollte aber nicht sagen, ob Juan Carlos zum Jagen in Russland war oder nicht. «Es handelte sich um eine private Reise des Königs, und dazu nimmt der Palast nicht Stellung», hieß es.

Kritik an inszenierten Jagden
Der Forstbeamte stellte nach Angaben der Zeitung «El Mundo» klar: «Der König hat nicht gewusst, dass der Bär zahm und betrunken war.» Dem Monarchen sei kein Vorwurf zu machen. Die Kritik richtete sich allein gegen die inszenierten Jagden mit garantiertem Erfolg, wie sie bereits zu Sowjetzeiten üblich waren.

In Spanien sahen die katalanische Linksrepublikaner (ERC), die die Monarchie nicht mögen, die Chance, dem König eins auszuwischen. Sie wollten die Sache im Parlament zur Sprache bringen und die Regierung zu einer Stellungnahme herausfordern. Ihr Antrag wurde jedoch abgelehnt.

«Es gab überhaupt keine Jagd»
In Russland wurden derweil neue Versionen über die angebliche königliche Bären-Jagd bekannt und Zweifel an den Darstellungen des Forstbeamten laut. «Es gab überhaupt keine Jagd», sagte der Gouverneur der Region Wologda, Wjatscheslaw Posgaljow. Juan Carlos habe keinen einzigen Schuss abgefeuert, sondern die Gegend nur besucht, um die russische Kultur und Geschichte kennen zu lernen.

Nach Angaben der Zeitung «Kommersant» wertete der Gouverneur die Affäre als Intrige von Starostin. Der Forstbeamte habe mit seinen Vorwürfen einer getürkten Bärenjagd zwei führende Beamte der Regionalverwaltung zum Rücktritt zwingen wollen. Aber was wurde dann aus Mitrofan? Der Vizegouverneur Sergej Gromow sagte der Zeitung «El Mundo»: «Woher sollen wir das wissen? Der Bär befand sich in privatem Eigentum, und damit haben wir nichts zu tun.» (dpa)