Rätsel um Bär Mitrofan und Spaniens König
31.10.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Der russische Bär Mitrofan sitzt nicht mehr in seinem Käfig. Und das seit ziemlich genau zwei Wochen. Damals hatte der russische Bär Mitrofan, eine Attraktion in einem Dorf 400 Kilometer nördlich von Moskau, für Schlagzeilen in der internationalen Presse gesorgt. Der spanische König Juan Carlos habe das zahme Tier bei einer Jagd erschossen, berichtete der Forstbeamte Sergej Starostin in einem Beschwerdebrief an seine Vorgesetzten.
Jagdhelfer hätten das Tier mit einem Gemisch aus Wodka und Honig betrunken gemacht, in ein Jagdrevier transportiert und dem Monarchen regelrecht vor die Flinte geführt.
Dorfbewohner erzählten, der Bär habe sich von Kindern füttern lassen. Das spanische Königshaus wies die Berichte aus Russland als «lächerlich» zurück. Es wollte aber nicht sagen, ob Juan Carlos zum Jagen in Russland war oder nicht. «Es handelte sich um eine private Reise des Königs, und dazu nimmt der Palast nicht Stellung», hieß es.
In Spanien sahen die katalanische Linksrepublikaner (ERC), die die Monarchie nicht mögen, die Chance, dem König eins auszuwischen. Sie wollten die Sache im Parlament zur Sprache bringen und die Regierung zu einer Stellungnahme herausfordern. Ihr Antrag wurde jedoch abgelehnt.
Nach Angaben der Zeitung «Kommersant» wertete der Gouverneur die Affäre als Intrige von Starostin. Der Forstbeamte habe mit seinen Vorwürfen einer getürkten Bärenjagd zwei führende Beamte der Regionalverwaltung zum Rücktritt zwingen wollen. Aber was wurde dann aus Mitrofan? Der Vizegouverneur Sergej Gromow sagte der Zeitung «El Mundo»: «Woher sollen wir das wissen? Der Bär befand sich in privatem Eigentum, und damit haben wir nichts zu tun.» (dpa)

