Angeklagter im Fleischskandal fühlt sich verfolgt
Laut der Anklage soll Berger rund 140 Tonnen manipulierte Fleischprodukte in den Handel gebracht und seine Abnehmer so um etwa 940.000 Euro geschädigt haben. Das Unternehmen habe mehr als 96.000 Kilogramm mit Hirschfleisch verschnittenes Elchgulasch geliefert, trug die Staatsanwältin vor. In anderen Fällen soll Berger die Haltbarkeitsdaten der Tiefkühlwaren verlängert haben.
Bergers Verteidiger Finger beantragte nach der Anklageverlesung die Einstellung des Verfahrens. «Es findet ein bundesweites Kesseltreiben gegen meinen Mandanten statt.» Nach Überzeugung des Gerichts gibt es allerdings keinen Grund, das Strafverfahren vorzeitig zu beenden. Zudem müsse Berger die öffentliche Berichterstattung ertragen, da es ein großes Interesse der Bevölkerung an dem Fall gebe, sagte der Vorsitzende Richter Alfons Gmelch.
Der mittlerweile insolvente Betrieb war einst der größte Wildhändler Deutschlands. Das Unternehmen soll nach Angaben der Staatsanwaltschaft auch Abnehmer in der Schweiz, Österreich, Frankreich und Dänemark mit manipulierter Ware beliefert haben. Das Elchgulasch, das zum überwiegenden Teil aus Hirsch bestanden habe, soll von den Kunden einer großen schwedischen Möbelhauskette verspeist worden sein. Berger hatte laut Anklage zwischen März 2003 und Januar 2006 den Waren Hirsch beigemengt, weil Elch gerade auf dem Markt knapp war. Bei Rehrücken, dessen Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen war, habe der Unternehmer persönlich im vergangenen Dezember die Daten auf November 2007 verlängert.
Das Bekanntwerden der Vorwürfe bedeutete Anfang des Jahres das Aus für das Unternehmen mit einst 80 Beschäftigten. Für Berger-Anwalt Finger ist dafür der bayerische Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) verantwortlich. «Er hat daraus erst einen Fleischskandal gemacht.» Alle Vorwürfe, Berger habe mit Gammelfleisch gehandelt, hätten sich nicht bestätigt. Grundsätzlich habe Berger immer nur hochwertige Waren geliefert. Wenn in Elchgulasch Hirschfleisch enthalten sei, müsse das Essen deswegen nicht schlecht sein. Der Unternehmer selbst machte zunächst keine Angaben zu den Vorwürfen. (nz)

