netzeitung.deKleiner Kunstflieger «Vogel des Jahres»

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Turmfalke (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Turmfalke
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Der Turmfalke nistet am liebsten auf Kirchtürmen, Masten und anderen hohen Gebäuden. Der Naturschutzbund kürte ihn zum Vogel des Jahres.

Von Ruth Pons

Er ist der Städter unter den Greifvögeln: Der Turmfalke brütet am liebsten an herausragenden Gebäuden wie Kirchtürmen und nutzt dabei Nischen und Mulden. Zum Jagen benötigt der kleine Greifvogel mit rotbraunem Rücken jedoch offene Flächen und eine niedrige Vegetation. Viele Turmfalken sind deshalb Pendler: Sie wohnen in der Stadt und «arbeiten» auf dem Land. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hat den emsigen Kunstflieger am Freitag zum «Vogel des Jahres» 2007 ausgerufen.

Den lateinischem Namen «Falco tinnunculus» (zu Deutsch: «klingend» oder «schellend») verdankt der Turmfalke seinen hellen, lauten «kikiki»-Rufen. Der geschickte Jäger zeichnet sich jedoch auch durch seinen besonders charakteristischen «Rüttelflug» aus: Mit heftigen Flügelschlägen und breit gefächertem Schwanz späht er, in der Luft stehend, nach Nahrung. Seine Lieblingsspeise sind Mäuse - aber auch kleinere Vögel, Eidechsen und Insekten sind nicht vor ihm sicher. Die Beute wird mit dem scharfen Schnabels getötet und auf erhöhter Warte verschlungen.

Turmfalken-Paare bleiben ihr Leben lang zusammen. Meist schon im Spätwinter besetzen sie ein Nest, in dem das Weibchen schließlich 29 Tage lang auf bis zu sieben Eiern brütet. Nach dem Schlüpfen füttern die Eltern ihre Nachkommen etwa vier Wochen lang und begleiten sie anschließend auf ihren ersten Ausflügen. Danach verlassen die Jungen ihren Geburtsort und suchen sich ein eigenes Revier.

Mit 35 Zentimetern Körpergröße und 75 Zentimetern Flügelspannweite ist der frühere Felsbewohner ein kleiner Verwandter des Wanderfalken. Der wurde wegen seiner akuten Bedrohung 1971 zum ersten «Vogel des Jahres» gekürt. Doch kommt der Turmfalke viel häufiger vor als sein großer Bruder: In Deutschland leben knapp 50.000 Brutpaare, in ganz Europa sind es etwa 350.000. Weil es dem kleinen Gesellen zunehmend an Nistmöglichkeiten und Nahrungsangebot fehle, gehe sein Bestand jedoch langsam aber stetig zurück, warnt Nabu-Vizepräsident Helmut Opitz.

So sei in Baden-Württemberg in den vergangenen dreißig Jahren die Zahl der Brutpaare um mehr als die Hälfte gesunken. Auch in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen hätten sich die Bestände um etwa 20 Prozent reduziert. Mit dazu beigetragen habe die Versiegelung von Freiflächen durch neue Straßen und Gebäude. Häufig würden zudem geeignete Brutplätze bei der Sanierung von Gebäuden verschlossen oder Kirchtürme von außen unzugänglich gemacht.

Gefahr droht laut Opitz aber auch durch Pflanzen- und Insektenschutzmittel. Über seine Beute nehme der Greifvogel immer mehr Gifte auf. Zudem gehe der Bestand an Feldmäusen stark zurück. Auch wenn sich der Turmfalke in den Städten einen neuen Lebensraum geschaffen hat, sei der beste Schutz für ihn eine naturverträgliche Landwirtschaft mit breiten Acker- und Wegrändern und ohne Pestizide. (epd)