netzeitung.deNatascha Kampusch schottet sich erstmal ab

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Natascha Kampusch nach ihrer Flucht (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Natascha Kampusch nach ihrer Flucht
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An der Bestattung ihres Entführers Wolfgang Priklopil am Freitag auf einem Friedhof südlich von Wien hat Natascha Kampusch nicht teilgenommen. Der Ort des Grabes wird geheim gehalten.

Erschöpft vom Medienrummel und geplagt von einer fiebrigen Erkältung, nimmt sich Natascha Kampusch eine Ruhepause von mindestens zehn Tagen. Während das Schicksal des Entführungsopfers weiter die Schlagzeilen beherrscht, gab es auch am Freitag keine neuen Fotos oder Interviews von der 18-Jährigen. Nach ihrem ersten öffentlichen Auftritt wird sie wieder von Betreuern abgeschottet. Die Polizei unterbrach die Ermittlungsgespräche, um die junge Frau zu schonen. Auch an der Bestattung ihres Entführers Wolfgang Priklopil am Freitag auf einem Friedhof südlich von Wien nahm sie nicht teil.

Natascha Kampusch hatte sich schon vor einigen Tagen in der Wiener Gerichtsmedizin von dem 44-Jährigen verabschiedet, der sie acht Jahre in seinem Haus gefangen hielt und sich nach ihrer Flucht am 23. August das Leben nahm. Nach Polizeiangaben wurde der Kidnapper unter falschem Namen beigesetzt. Der Ort des Grabes wird geheim gehalten. In Interviews hatte die junge Frau ihren Peiniger als «paranoid» beschrieben und als «Verbrecher» bezeichnet.

Nach Angaben ihres Betreuers Max Friedrich ist Kampusch auf eigenen Wunsch in der Kinder- und Jugendabteilung der Neurologischen Klinik am Allgemeinen Krankenhaus in Wien untergebracht. Dort teile die 18-Jährige ein Doppelzimmer mit einer jüngeren Zimmerkollegin. Ihre Berater berichteten, dass sie das Zusammensein mit Gleichaltrigen genieße.

Wie die junge Frau auf erste Einladungen nach Berlin und zu einer Reise auf das ZDF-«Traumschiff» reagiert hat, war am Freitag noch nicht bekannt. Im Fernsehen hatte sie angekündigt, dass sie viel reisen wolle, etwa nach Berlin, und dass sie von einer Kreuzfahrt träume. Die Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM) hat Kampusch und ihre Schwester daraufhin zu einem Besuch eingeladen. Die Peter Deilmann Reederei aus Neustadt in Holstein bot Kampusch und ihrer Mutter Brigitta Sirny am Freitag eine Kreuzfahrt auf der «Deutschland» an, dem «Traumschiff» aus der ZDF-Reihe.

Suche nach Hohlräumen im Haus
In Deutschland und Österreich hatten fast zehn Millionen Menschen am Mittwoch den Fernsehauftritt der jungen Frau verfolgt, als sie in einer ergreifenden Schilderung von der Entführung und ihrem Martyrium in dem kleinen Verlies erzählte. Eine frühere Spielplatz-Freundin Kampuschs sagte der österreichischen Nachrichtenagentur APA nach dem TV-Interview, die 18-Jährige habe sich kaum verändert: «Sie hat heute einen noch stärkeren Willen als damals.»

Für die Kriminologen ergaben sich nach Polizeiangaben aus den Kampusch-Interviews keine neuen Erkenntnisse. Die Befragung der jungen Frau soll für einige Tage unterbrochen werden, um sie zu schonen. Die Polizei will weiter prüfen, ob der Entführer mögliche Mitwisser oder Komplizen hatte und ob er weitere Straftaten verübte.

Im Haus des Entführers gingen die Ermittlungen weiter. Mit Hilfe von Sachverständigen und Archäologen sei das Grundstück genau untersucht worden. Dabei sei auch ein Bodenradar zum Einsatz gekommen, um eventuelle Hohlräume aufzuspüren. Bisher seien jedoch keine kriminaltechnisch relevanten Funde bekannt, sagte ein Polizeisprecher.

Natascha Kampusch war am 2. März 1998 von dem Nachrichtentechniker Wolfgang Priklopil in Strasshof bei Wien entführt und mehr als acht Jahre gefangen gehalten worden. Am 23. August gelang ihr die Flucht, ihr Kidnapper nahm sich noch am selben Tag das Leben.(nz)