Natascha Kampusch schottet sich erstmal ab
08.09.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Nach Angaben ihres Betreuers Max Friedrich ist Kampusch auf eigenen Wunsch in der Kinder- und Jugendabteilung der Neurologischen Klinik am Allgemeinen Krankenhaus in Wien untergebracht. Dort teile die 18-Jährige ein Doppelzimmer mit einer jüngeren Zimmerkollegin. Ihre Berater berichteten, dass sie das Zusammensein mit Gleichaltrigen genieße.
Wie die junge Frau auf erste Einladungen nach Berlin und zu einer Reise auf das ZDF-«Traumschiff» reagiert hat, war am Freitag noch nicht bekannt. Im Fernsehen hatte sie angekündigt, dass sie viel reisen wolle, etwa nach Berlin, und dass sie von einer Kreuzfahrt träume. Die Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM) hat Kampusch und ihre Schwester daraufhin zu einem Besuch eingeladen. Die Peter Deilmann Reederei aus Neustadt in Holstein bot Kampusch und ihrer Mutter Brigitta Sirny am Freitag eine Kreuzfahrt auf der «Deutschland» an, dem «Traumschiff» aus der ZDF-Reihe.
Für die Kriminologen ergaben sich nach Polizeiangaben aus den Kampusch-Interviews keine neuen Erkenntnisse. Die Befragung der jungen Frau soll für einige Tage unterbrochen werden, um sie zu schonen. Die Polizei will weiter prüfen, ob der Entführer mögliche Mitwisser oder Komplizen hatte und ob er weitere Straftaten verübte.
Im Haus des Entführers gingen die Ermittlungen weiter. Mit Hilfe von Sachverständigen und Archäologen sei das Grundstück genau untersucht worden. Dabei sei auch ein Bodenradar zum Einsatz gekommen, um eventuelle Hohlräume aufzuspüren. Bisher seien jedoch keine kriminaltechnisch relevanten Funde bekannt, sagte ein Polizeisprecher.
Natascha Kampusch war am 2. März 1998 von dem Nachrichtentechniker Wolfgang Priklopil in Strasshof bei Wien entführt und mehr als acht Jahre gefangen gehalten worden. Am 23. August gelang ihr die Flucht, ihr Kidnapper nahm sich noch am selben Tag das Leben.(nz)

