netzeitung.deUrängste und Männerfantasie im Fall Kampusch

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Der Raum, in dem Natascha Kampusch festgehalten wurde (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Der Raum, in dem Natascha Kampusch festgehalten wurde
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Das große öffentliche Interesse an Natascha Kampusch erklärt ihr Berater mit der jedem bekannten Angst vor dem Eingesperrtsein. Auch das «Wunder» ihrer Flucht habe eine Rolle gespielt.

Der Fall der acht Jahre lang gefangen gehaltenen Österreicherin Natascha Kampusch spricht nach Ansicht ihres Medienberaters Dietmar Ecker menschliche Ängste an.

«Das ist sicher eine Mischung aus verschiedenen Aspekten», sagte Dietmar Ecker dem österreichischen Rundfunk ORF. Dabei spielten «Urängste vor dem Eingesperrtsein» eine Rolle, aber auch Männerfantasien. «Und dann am Ende das Wunder, eine Art Wieder-Auferstehung».

Mit ihrem Auftritt im Fernsehen sei die 18-Jährige zufrieden gewesen, sagte Ecker. Es sei ihr gelungen, Missverständnisse auszuräumen, nachdem ihr Verhältnis zur Mutter in vielen Berichten falsch dargestellt worden sei.

Natascha Kampusch habe deutlich machen wollen, dass sie ein sehr gutes Verhältnis zu ihrer Mutter habe. Auch das Ziel, mit dem Gang an die Öffentlichkeit Druck von der schwer traumatisierten jungen Frau zu nehmen, ist laut Ecker erreicht worden.

Die Teams der großen Fernsehstationen seien abgereist, bereits am Tag nach dem Interview sei es bereits deutlich ruhiger geworden, sagte der 42-jährige Medienprofi. Auf Einwände, manche Antworten in dem Interview hätten «einstudiert» gewirkt, entgegnete er: «Man kann sie nicht trainieren». Sie sei aber sehr diszipliniert und darauf konzentriert, was sie mitteilen wolle.

Spenden gehen an Hilfsprojekte
Kampuschs Anwalt Gerald Ganzger sagte der österreichischen Nachrichtenagentur APA, die Frau wolle alle an sie gerichteten Spenden an Hilfsprojekte weiterleiten. «Sie hat deutlich gemacht, dass sie keinen einzigen Cent der Spenden für sich selbst beanspruchen will», so Ganzger.

Nach Ansicht von Berater Ecker sollte sich Natascha Kampusch jetzt eine lange Ruhepause zugestehen und sich erst «mit deutlichem Abstand» wieder öffentlich zeigen. Auch die Polizei hat für ihre Befragungen der jungen Frau am Freitag eine Pause angekündigt.

Suche nach möglichem Komplizen
Die Ermittler wollen herausfinden, ob der Entführer Wolfgang Priklopil mögliche Mitwisser oder Komplizen hatte und ob der 44-Jährige weitere Straftaten verübt hatte. In Österreich war der Mann nicht in Täter-Datenbanken aufgetaucht.

Der Vergleich von Priklopils DNA mit der Datenbank der Interpol brachte nach Angaben eines Polizeisprechers bisher auch keine Ergebnisse. Indessen wurden im Haus Priklopil die Ermittlungen weiter geführt.

Mit Hilfe von Sachverständigen und Archäologen sei das Grundstück genau untersucht worden. Dabei sei auch ein Bodenradar zum Einsatz gekommen, um eventuelle Hohlräume aufzuspüren. (nz)