Kriminologe rät Kampusch zur Ausreise
07.09.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Natascha Kampusch sei falsch beraten worden, sagt Kriminologe Pfeiffer. Sie hätte sich nicht so offen im Interview zeigen dürfen - nun sei ihre «Schonzeit» vorbei.
Der Kriminologe Christian Pfeiffer hat Natascha Kampuschs TV-Interview als zu früh kritisiert: «Man sieht doch, wie sie mit den Händen gerungen hat, wie sie Schwierigkeiten hatte, den Blick zu halten», sagte er am Donnerstag im Bayerischen Rundfunk.
Die Körpersprache der nach acht Jahren ihrem Entführer entflohenen jungen Frau habe noch alle Anzeichen dieser Gefangenschaft gezeigt. Der Schritt, an die Öffentlichkeit zu gehen, sei übereilt gewesen, meinte Pfeiffer.
«Neue Identität verpassen»Der Kriminologe sagte, das Argument, ohne das Interview wäre die junge Frau ohnehin von den Medien gejagt worden, treffe nicht zu. «Man hätte ihr eine neue Identität verpassen können, vorübergehend, damit die Schonzeit länger anhalten kann.» Zudem hätte im Interview ihr Gesicht verdeckt werden können. Nun werde es für Kampusch schwierig sein, unbelastet Kontakt zu Gleichaltrigen zu knüpfen.
Die Schlüsselszene sei für ihn gewesen, als Kampusch gesagt habe, wie toll es gewesen sei, unerkannt mit der U-Bahn zu fahren und ein Eis zu essen. Damit sei es nun vorbei, betonte Pfeifer. «Ich denke, sie ist falsch beraten worden.»
Es sei sehr schade, dass die 18-Jährige jetzt nur noch sehr eingeschränkt die Möglichkeit habe, ganz normal Dinge zu entdecken. Pfeiffer empfahl der Kampusch deshalb, ins Ausland zu gehen. (nz)