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Natascha wird bei Interview zu sehen sein

05. Sep 2006 16:50, ergänzt 22:56
Ohne Verkleidung oder Verfremdung will das Entführungsopfer Kampusch am Mittwoch im Fernsehen auftreten. Mit Interviews soll ihre Zukunft abgesichert werden - die Rede ist von mehreren hunderttausend Euro für Exklusivberichte.

Die vor acht Jahren entführte Natascha Kampusch will bei ihrem ersten Fernsehinterview ohne Verkleidung auftreten. Die Richtung des öffentlichen Auftritts bestimmt die junge Frau selbst: Die 18-Jährige habe gemeinsam mit ihrem Medienberater und ihren Betreuern aus einem Fragenkatalog des österreichischen Fernsehsenders ORF die Themen ausgewählt, über die sie sprechen will, teilte der Sender mit.

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«Man wird sie sehen», sagte der Journalist Christoph Feurstein in der Nachrichtensendung «Zeit im Bild» des ORF am Dienstagabend. Es sei ihr eigener Entschluss gewesen, sagte der Reporter, der das Interview mit der 18- Jährigen am Dienstagnachmittag geführt hatte. Das Gespräch mit etwa 20 Minuten Dauer wird am Mittwoch um 20.15 im ORF 2 und um 21.15 Uhr in Deutschland vom Privatsender RTL ausgestrahlt. Dort soll Kampusch erstmals selbst über ihre Entführung, ihre acht Jahre währende Gefangenschaft im Haus von Wolfgang Priklopil und ihre Flucht berichten.

«Unheimliche Stille»

Kampusch sei «etwas verschnupft» gewesen, aber «sehr energiegeladen, sehr aktiv und voller Wünsche für die Zukunft». Er habe eine «sehr selbstbewusste, intelligente Frau» getroffen, sagte Feurstein, der seit der Entführung der damals Zehnjährigen im März 1998 immer wieder über ihren Fall berichtet hatte.

Er habe selbst «Gänsehaut bekommen» in Momenten, als sie vom Morgen der Entführung erzählt habe oder von der «unheimlichen Stille» in dem winzigen Verlies im Haus ihres Entführers Wolfgang Priklopil. Erschüttert hätten ihn ihre Aussagen, wonach sie bei den wenigen Gelegenheiten, in denen ihr Entführer sie etwa mit zum Einkaufen genommen hatte, mehrmals Menschen «mit den Augen um Hilfe gebeten» habe: «Sie sagt, sie hat versucht, Menschen auf sich aufmerksam zu machen und niemand hat geholfen».

Bisher gibt es rund 300 Anfragen internationaler Medien für ein Exklusiv-Interview mit Kampusch, sagte ihr Medienberater Dietmar Ecker. Die junge Frau war am 2. März 1998 als Zehnjährige auf dem Schulweg gekidnappt worden. Ihr Entführer hielt sie in einem Haus in Strasshof bei Wien fest. Am 23. August gelang ihr die Flucht.

Zeitungen sichern Ausbildung

Ecker hat nun ein Paket geschnürt, das die momentane internationale Aufmerksamkeit nutzt und Kampusch doch langfristig finanziellen Nutzen bringt. Der ORF zahlt demnach «keinen Cent» für seine Exklusivrechte: Er soll der einzige TV-Anbieter bleiben, der Natascha selbst filmen darf und soll auch den internationalen Weiterverkauf organisieren. Das Unternehmen wird aber auch nicht an der Verwertung verdienen: Alle Einnahmen fließen in einen «Natascha Kampusch Fonds», aus dem die junge Frau in den kommenden Jahren ihre Existenz bestreiten muss.

Darüber, wie viel andere Sender - etwa RTL für die nur um eine Stunde versetzte Ausstrahlung - bezahlen mussten, hüllen sich die Medienanstalten in Schweigen. Die Rede ist von «mehreren hunderttausend Euro».

Zurzeit lebt das Entführungsopfer von Opferhilfe und Sozialhilfe. Die beiden zum Konzern Mediaprint gehörenden Blätter «Kronen Zeitung» und «News» nun vertragsgemäß für die Ausbildung und die Wohnsituation der jungen Frau Sorge tragen. Die «Kronen Zeitung» soll ihr bereits eine Stelle auf Lebenszeit angeboten haben.

Schwierige Datensicherung

Im Haus des Entführers fand die österreichische Polizei am Dienstag einen Commodore 64, ein bis Ende der 80er Jahre äußerst populäres Heimrechnermodell. Heute sei das Gerät jedoch ein Stück Altertum, sagte Generalmajor Gerhard Lang vom Wiener Bundeskriminalamt am Dienstag. «Es war ein Problem, die Daten auf einen heutigen modernen Computer ohne Verlust zu übertragen.»

Die Polizei durchsuchte das Grundstück und das Haus des Entführers weiter, um sicherzustellen, dass es auf dem Gelände nicht noch weitere unterirdische Verliese wie jenes gibt, in dem Kampusch acht Jahre lang festgehalten wurde. Bisher sei aber nichts gefunden worden. (nz)

 
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