netzeitung.dePsychiater: Natascha «erstaunlich stabil»

 Herausgeber: netzeitung.de

Ein Psychiater aus dem Betreuerteam um die acht Jahre lang entführte Natascha Kampusch rechnet mit ihrer vollständigen Genesung. Sie werde schon bald ein normales Leben führen können.

Einer der Betreuer der acht Jahre lang entführten Natascha Kampusch, der Psychiater Ernst Berger, rechnet mit einer schnellen Erholung des Mädchens. In nicht allzu ferner Zukunft könne sie wieder ein normales Leben führen, sagte Berger in der ARD-Sendung «Sabine Christiansen». Den derzeitigen Zustand Nataschas bezeichnet Berger als «in erstaunlichem Maße stabil.»

Gegenüber ihrem ehemaligen Peiniger sei das Mädchen «sehr ambivalent», sagte er. Auf der einen Seite würde sie ihn verteidigen und sogar um ihn trauern, auf der anderen sei sie sehr zornig.

Zu der Beziehung zwischen Natascha und ihrem Entführer sagte Berger: «Soweit wir das bisher überblicken können, müssen wir wohl davon ausgehen, dass sich dieses Verhältnis im Laufe dieser acht Jahre auch gewandelt hat, dass wir dort nicht von einem konstanten Verhältnis ausgehen können. Das hat wohl damit zu tun, dass die Frau Kampusch von einem zehnjährigen Kind zu einer 18-jährigen jungen Frau geworden ist.»

Interview im Fernsehen
Am Wochenende war Kampusch weiter durch Beamte des österreichischen Bundeskriminalamts befragt worden. Die 18-Jährige habe sich ihre Gesprächspartner unter den Ermittlern selbst ausgesucht, zitierten Wiener Medien das Bundeskriminalamt. Kampusch, die sich mit vielen Interviewanfragen verschiedener Medien konfrontiert sieht, wird möglicherweise demnächst dem öffentlich-rechtlichen ORF-Fernsehen ein Interview geben, berichteten Wiener Zeitungen.

Österreichs Justizministerin Karin Gastinger kündigte als Konsequenz aus dem Fall höhere Strafen für Entführer an. Dieser «dramatische Fall» habe gezeigt, dass es im österreichischen Strafgesetzbuch keine entsprechende Strafe für solche Täter gebe, sagte die Justizministerin dem österreichischen Rundfunk am Samstag. Dem Kidnapper Wolfgang Priklopil hätten nach gegenwärtigem Recht in Österreich maximal zehn Jahre Haft gedroht. Nun sollen Gesetzesänderungen vorbereitet werden, um die Höchststrafe zu verdoppeln und den Opfern einen Anspruch auf Schmerzensgeld einzuräumen.

Der 44-jährige Priklopil hatte sein Opfer jahrelang in einer Zelle unter seiner Garage gefangen gehalten. Wenige Stunden nach der Flucht der jungen Frau am 23. August hatte sich Priklopil das Leben genommen. Natascha Kampusch war am 2. März 1998 im Alter von zehn Jahren auf dem Schulweg in Wien entführt worden. Der Täter hatte sie mehr als acht Jahre in seinem Haus in Strasshof festgehalten, knapp 20 Kilometer nordöstlich der österreichischen Hauptstadt. (nz)