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Gammelfleisch als Döner verkauft

31. Aug 2006 16:28
Dönerspieße aus Geflügel und Kalbfleisch
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Die Polizei in München hat hunderte Tonnen Gammelfleisch sichergestellt, die offenbar zum Verzehr verkauft werden sollten. Es handelt sich um Dönerfleisch, Wild und Geflügel.

Die Polizei hat bei einem Großhändler in München tonnenweise Fleisch beschlagnahmt, dessen Haltbarkeitsdatum teilweise seit vier Jahren abgelaufen war. Es handele sich um mehrere Tonnen gefrorenes Dönerfleisch und rund 360 Kilogramm Wild und Geflügel, teilte die Münchner Kreisverwaltung am Donnerstag mit. Die Behörden haben die Kühl- und Geschäftsräume des Münchner Betriebes schließen und versiegeln lassen.

Der Großhandel wird von einem Deutschen geführt und hat 16 Mitarbeiter. Das zuständige Verwaltungsreferat hegt den Verdacht, dass es sich um einen Skandal nationalen Ausmaßes handelt. Offenbar habe das bundesweit tätige Unternehmen Haltbarkeitsdaten umetikettiert und das Fleisch in den Handel gebracht. «Wir haben in dem Betrieb Lieferadressen von Kunden in ganz Deutschland sichergestellt», sagte ein Polizeisprecher. Die Münchner Kripo richtete eine Sonderkommission «Kühlhaus» aus acht Beamten ein.

Ein Tipp der Polizei im oberbayerischen Gröbenzell hatte die Ermittler auf die Spur des Betriebs gebracht. Ob tatsächlich gesundheitsgefährdende Produkte ausgeliefert wurden, stehe noch nicht fest. Die Ergebnisse der labortechnischen Untersuchungen stünden noch aus, fügte der Sprecher hinzu.

Anklage in Essen

Unterdessen erhob die Staatsanwaltschaft Essen in einem weiteren Gammelfleisch-Fall Anklage gegen einen Gelsenkirchener Großhändler. Er soll tonnenweise gefrorenes Fleisch, dessen Haltbarkeitsdatum abgelaufen war, gekauft, in Hamburg und dem niedersächsischen Melle zwischengelagert und an Fleischverarbeiter verkauft haben. Auch 315 Tonnen Stichfleisch vom Schweinehals habe er an Lebensmittelhersteller weiterverkauft, teilte die Behörde am Donnerstag mit. Stichfleisch darf laut Gesetz nur für Hundefutter oder technische Fette verwendet werden.

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt wegen der Vorfälle auch gegen einen Fleisch verarbeitenden Betrieb im Kreis Vechta in Niedersachsen. Die Firma müsse gewusst haben, dass es sich um Stichfleisch handelte, sagte Staatsanwalt Bernard Südbeck. Die Lieferscheine seien mit Decknamen wie «Schweine Trimmings» ausgestellt worden.

Der Großhändler hatte bereits 1994 seine Einzelhandelslizenz für Lebensmittel wegen Unzuverlässigkeit abgeben müssen. Die Staatsanwaltschaft Essen wirft ihm seit 2002 eine Reihe schwer wiegender Verfehlungen vor. Unter anderem soll der gelernte Metzgermeister 1,4 Tonnen Straußenfleisch als Rindfleisch weiter verkauft haben. Auch 7,5 Tonnen Spanferkel, das wegen minderer Qualität nur noch als Tierfutter geeignet gewesen wäre, soll er für den menschlichen Verzehr in den Handel gebracht haben. Wann es zu einer Verhandlung vor der Großen Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Essen kommen wird, steht noch nicht fest. (nz)

 
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