netzeitung.dePsychiater kritisiert «Bloßstellung» Kampuschs

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Das Haus des Entführers (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Das Haus des Entführers
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Betreuer von Natascha Kampusch in Wien haben die Veröffentlichung von Details aus einem Interview mit dem Entführungsopfer kritisiert. Die 18-Jährige bleibt weiter auf Distanz zur Öffentlichkeit und zu ihrer Familie.

Das Betreuungsteam des Entführungsopfers Natascha Kampusch in Wien befürchtet eine «Re-Traumatisierung» durch die Veröffentlichung von Gesprächen der 18-Jährigen mit der Polizei. Die österreichische Illustrierte «News» brachte am Donnerstag wörtliche Zitate aus dem Interview, in denen Kampusch Details ihrer Entführung schildert und über den Alltag im Haus des Täters spricht. Das Magazin nannte jedoch keine Quellen.

Der Psychiater Max Friedrich sagte in Wien, dadurch werde das Persönlichkeitsrecht der jungen Frau verletzt. «Durch die öffentliche Bloßstellung des Opfers» sei der Gesundheitszustand des Opfers gefährdet.
Opfer bittet um Respekt
Natascha Kampusch war am 2. März 1998 auf dem Weg zur Schule in Wien entführt worden. Der 44-jährige Wolfgang Priklopil hielt sie mehr als acht Jahre in seinem Haus in Strasshof gefangen - über große Zeiträume in einem winzigen Verlies in seinem Keller. Vergangene Woche gelang dem Opfer die Flucht. Der Täter nahm sich wenige Stunden später das Leben.

Dem großen Interesse in den Medien war Kampusch am Montag mit einem Appell entgegen getreten. Die Frau, die an einem geheim gehaltenen Ort psychologisch und medizinisch betreut wird, bat in einem Brief um Respekt vor ihrer Privatsphäre.

Acht Jahre lange «Isolationsfolter»
Auch zu ihren Eltern habe Kampusch derzeit eine «distanzierte Haltung», teilte das Betreuerteam mit. Ob und wann sie zu ihrer Familie zurückkehren werde, entscheide sich demnach in den kommenden Wochen oder Monaten. Psychiater Max Friedrich beschrieb Kampusch als «sehr verantwortungsvolle und ernsthafte Person. Und das neben ihrer Traumatisierung». Die acht Jahre im Haus des Entführers bezeichnete Friedrich als «Isolationsfolter».

Inzwischen hat sich nach Berichten der österreichischen Zeitung «der Standard» herausgestellt, dass Kampusch das Haus ihres Entführers verlassen durfte. Warum sie die Chance zur Flucht nicht schon früher nutzte, sei jedoch bisher unklar, heißt es. (nz)