29.08.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Natascha Kampusch wünscht sich eine Ausbildung. Die österreichische Polizei untersucht unterdessen weiter das Haus, in dem die junge Österreicherin acht Jahre lang festgehalten wurde.
Die vor acht Jahren verschleppte Österreicherin Natascha Kampusch möchte eine Ausbildung beginnen. Ihr Rechtsanwalt Günter Harrich sagte am Dienstag vor einem Treffen mit der 18-Jährigen, er wolle dazu beitragen, dass die junge Frau «in fünf Jahren halbwegs vernünftig leben kann». Kampusch beschrieb er als eine zarte und intelligente Frau. Die vor wenigen Tagen durch einen Zufall Freigekommene hält sich von der Öffentlichkeit fern. Lediglich in einem Brief wandte sie sich an Journalisten und Weltöffentlichkeit.
Die österreichische Polizei durchsuchte unterdessen erneut das Haus und das Verlies, in dem der Entführer das Mädchen jahrelang gefangen gehalten hatte. Wie Harrich schilderte, stellte er bereits einen Antrag nach dem Verbrechensopferhilfegesetz, damit Kampusch eine Entschädigung erhält und ihre Therapiekosten ersetzt bekommt. Er will sie auch zu den Befragungen durch das Bundeskriminalamt begleiten, «um darauf zu schauen, dass die Vernehmungen nicht zu sehr ihren höchstpersönlichen Lebensbereich verletzen».
Polizei sucht nach HohlräumenDas österreichische Bundeskriminalamt suchte nach weiteren, in den Bauplänen nicht verzeichneten Hohlräumen - bisher erfolglos, wie das Amt mitteilte. Zwölf Beamte seien noch immer damit beschäftigt, Spuren zu sichern. In dem Haus und in dem unter der Garage gelegenen Verlies hätten die Ermittler zahlreiche Unterlagen beschlagnahmt.
Einen Termin für eine weitere Befragung von Kampusch gab es nicht. Das Entführungsopfer hat inzwischen auch einen PR-Berater, bei dem mehr als 70 Anfragen internationaler Medien eingingen. In den Anfragen, die hauptsächlich aus Europa, aber auch aus den USA und dem asiatischen Raum kommen, ersuchen die Medien um Interviews und um aktuelle Fotos der 18-Jährigen, wie der PR-Berater Dietmar Ecker sagte.
Härtere Strafen geplantDas österreichische Justizministerium zog unterdessen erste Konsequenzen aus dem Fall, bei dem der 44-jährige Mann das Mädchen über acht Jahre hinweg ohne Tageslich gefangen hielt. Die Regierung will strengere Strafen für drastische Fälle von Freiheitsentziehung einführen. «Wir haben bereits eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die die Lücke zwischen erpresserischer Entführung und bloßer Freiheitsentziehung schließen soll», sagte ein Sprecher von Justizministerin Karin Gastinger am Dienstag der österreichischen Nachrichtenagentur APA.
Hätte der Entführer von Kampusch sich nicht nach deren Flucht in der vergangenen Woche selbst getötet, hätten ihm bei einer Verurteilung höchstens zehn Jahre Haft gedroht, da er keine Lösegeldforderungen stellte.
Im Garten rumgehuschtNatascha Kampusch habe in den vergangenen Monaten möglicherweise den Ort ihrer Gefangenschaft in Strasshof zwischendurch verlassen, heißt es auf der Internetseite tirol.com. Ein Nachbar habe das Opfer zusammen mit Entführer Wolfgang P. im Auto gesehen. Er fahre nach Wien eine Wohnung sanieren und die Frau helfe ihm dabei, habe ihm «der Wolferl» erzählt.
Ein anderer Nachbar will Natascha Kampusch wiederholt im Garten des Nachbarhauses erblickt haben. Er habe eine junge Frau mehrmals «hin- und herhuschen» gesehen. Er dachte, es sei eine neue Freundin von P..
Er habe P. auf die Frau angesprochen. Dieser verneinte, dass es sich um seine Freundin handelt. Er habe sich die Frau «von einem Freund ausgeborgt». Es sei eine Jugoslawin, die ihm bei der Hausarbeit helfe, habe ihm P. erzählt.(nz)