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Kofferbomben: Zweifel an Terrorspur: 

Zweifel an Terrorhintergrund bei Kofferbomben

02. Aug 2006 13:36, ergänzt 21:01
Polizeifoto zeigt einen Trolley, in dem eine Bombe deponiert war
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Nach den Sprengstofffunden in Dortmund und Koblenz gibt es eine Vielzahl von Ähnlichkeiten zwischen den beiden Vorfällen. Experten glauben nicht, dass es sich bei den Vorfällen um organisierten Terror handelt.

Die beiden Bombenkoffer in Dortmund und Koblenz sind nach Ansicht des von Sicherheitsexperten nicht von professionellen Terroristen deponiert worden. «Die Vorgehensweise und die Machart der Bomben deuten auf einen semiprofessionellen Hintergrund hin», sagte der Terrorismusexperte vom Essener Institut für Terrorismusforschung und Sicherheitspolitik, Kai Hirschmann. Ein Zusammenhang zwischen den beiden Bombenfunden sei aber sehr wahrscheinlich.

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Eine ähnliche Einschätzung verlautete aus Sicherheitskreisen. Das Vorgehen und die Machart der Bomben seien für Terroristen «völlig untypisch», hieß es demnach. Es gebe auch keinerlei Bekennerschreiben oder ähnliche Erklärungen. Ein islamistischer Hintergrund sei daher wohl unwahrscheinlich.

Hirschmann sagte der Nachrichtenagentur AP, dass nur ein Hobbybastler in Frage komme. So waren die Bombenkoffer nicht versteckt und es wurde kein professioneller Sprengstoff eingesetzt. «Herrenlose Koffer von der Größe fallen auf und werden schnell entdeckt», so Hirschmann. Das deute darauf hin, dass weniger ein Zerstörungs- als vielmehr ein Schockeffekt beabsichtigt gewesen sei. Wie Hirschmann erklärte, setzen politische Terrororganisationen meist ausgereiftere und kleinere Sprengsätze ein, die möglichst vor ihrer Entdeckung gezündet werden. Deshalb gehe er eher von einem verwirrten Einzeltäter aus.

Nach den Sprengstofffunden stellen die Ermittlungsbehörden immer mehr Parallelen zwischen den beiden Fällen fest. Wie die Bundesanwaltschaft mitteilte, waren sowohl der Inhalt der beiden Koffer als auch die Gepäckstücke selbst vergleichbar. Beide Koffer seien zudem in Regionalzügen gefunden worden. Genauere Erkenntnisse über Herkunft und Bauart der Funde erhoffen sich die Ermittler von der kriminaltechnischen Untersuchung.

Täter wollten Bioanschlag vortäuschen

Die Untersuchung der Sprengsätze ist nach Angaben der Behörden schwierig, da da die Bomben beim Entschärfen beschädigt wurden. Laut der Bundesanwaltschaft wird noch untersucht, welches Gas und welche brennbare Flüssigkeit sich in den Koffern befunden hätten.

Nach Informationen von «Focus Online» explodierten die Sprengsätze nur deshalb nicht, weil in den Flaschen zu viel Gas war. Zumindest in Dortmund hätten die Täter einen chemisch-biologischen Anschlag vortäuschen wollen und hätten einen Beutel mit Speisestärke beigefügt.

Keine Aussagen über Folgen

Das Bundesinnenministerium wollte vor diesem Hintergrund keine Aussage über Folgen für die Sicherheitslage in Deutschland machen. Die Taten könnten sowohl «staatsschutzrelevant als auch allgemeinkrimineller Natur sein», sagte eine Ministeriumssprecherin am Mittwoch in Berlin. Deshalb könnten zur Sicherheitslage noch keine abschließenden Aussagen gemacht werden. Sie verwies auf die Bundesanwaltschaft, die ermittelt.

Die Bundesanwaltschaft ermittelt nach den Vorfällen gegen Unbekannt wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Bislang ist unklar, ob es sich bei den Vorfällen um einen geplanten Terroranschlag oder um eine geplante Erpressung der Bahn handeln könnte.

Schwierige Zeugensuche

Wie die Dortmunder Polizei mitteilte, ist die Suche nach Zeugen wegen des Bombenfunds im Regionalzug «NRW-Express» nur schleppend angelaufen. Erst neun Anrufe gingen demnach bis zum Mittwochmorgen bei der Hotline der Dortmunder Polizei ein. Zur Verwertbarkeit der Hinweise wollte sich die Polizei nicht äußern. Die Ermittlungskommission erhofft sich Hinweise von Fahrgästen, die am Montag zwischen 4:40 und 14:40 Uhr den Zug genutzt hatten. Noch immer ist unklar, wann der Bombenkoffer in den Zug gelangte. (nz)

 
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