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Verdächtiger Koffer in NRW: Zug evakuiert

02. Aug 2006 08:39
Ein verdächtiger Koffer in einem Regionalzug im nordrhein-westfälischen Dormagen hat einen Großalarm ausgelöst. Er war auf der Strecke von Köln nach Krefeld entdeckt worden.

Während der Bombenalarm an zwei deutschen Bahnhöfen die Ermittler weiterhin vor Rätsel stellt, hat ein Koffer im nordrhein-westfälischen Dormagen am Dienstagabend einen größeren Polizeieinsatz ausgelöst. Wie ein Sprecher der Neusser Polizei mitteilte, wurde ein Regionalexpresses evakuiert, nachdem das Gepäckstück im Bordrestaurant des Zuges gefunden worden war. Spezialisten, die den Koffer im Anschluss untersuchten, stellten aber lediglich Kleidungsstücke sicher. «Wir prüfen lieber einmal mehr als einmal weniger», sagte ein Sprecher der Bahn am Mittwochmorgen.

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  • Am Dienstag hatte die Bundesanwaltschaft Ermittlungen gegen unbekannt wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung aufgenommen. Zunächst wurde aber nicht bekannt, ob es sich um einen geplanten Terroranschlag oder um eine geplante Erpressung der Bahn handelte.

    In Dortmund war am Montag ein Koffer geöffnet worden, der unter anderem eine Gasflasche und Benzin enthielt. Einen Tag später wurde auch am Koblenzer Bahnhof in einem herrenlosen Koffer eine Propangasflasche und nach ZDF-Angaben auch eine komplette Zündvorrichtung entdeckt. Zumindest in Dortmund schloss die Polizei nicht aus, dass eine Detonation vermutlich etliche Reisende in den Tod gerissen hätte. Wegen des engen zeitlichen Zusammenhangs übernahm die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe die Ermittlungen, wie die Behörde am Dienstag mitteilte.

    Der verdächtige Koffer in Koblenz sei bereits am Montag abgegeben, aber erst am Dienstag geöffnet worden. Weitere Details zu dem Vorfall wurden nicht genannt. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft müsse noch ermittelt werden, ob es sich um scharfe Sprengsätze handelte und ob die beiden Gepäckstücke miteinander zu vergleichen seien. Am Nachmittag waren alle Zufahrtsstraßen zum Bahnhof gesperrt worden, Reisende mussten in sicherer Entfernung hinter Absperrungen warten. Züge konnten nicht fahren. Nach einer Stunde wurde der Bahnhof wieder freigegeben. Es bestehe keine Gefahr für die Bevölkerung, sagte eine Polizeisprecherin. «Die Gefahr ist gebannt.»

    Den anderen Koffer hatten Unbekannte am Montag in einem Regionalzug zwischen Aachen und Hamm deponiert. In dem Gepäckstück waren 11 Liter Butangas in einer Gasflasche, 4,5 Liter Benzin- Gemisch, ein Wecker und Drähte, wie Staatsanwalt Henner Kruse am Dienstag sagte. Ein Schaffner hatte den Koffer gefunden und ins Fundbüro des Dortmunder Hauptbahnhofs gebracht.

    Dort entdeckten Mitarbeiter die Bombe und alarmierten Sprengstoffexperten des Landeskriminalamts. Anschließend wurde der Bahnhof evakuiert, es kam zu zahlreichen Zugverspätungen. Seit wann der Koffer im Abteil der zweiten Klasse gestanden hatte, ist für Staatsanwaltschaft und Polizei noch völlig unklar: «Der Zug war seit 4.40 Uhr im Einsatz», sagte Staatsanwalt Kruse. Hinweise auf Täter und Motive gab es zunächst nicht. Die Bombenkonstruktion sei als professionell zu bezeichnen, sagte der Leiter der Polizeiexpertengruppe, Jürgen Kleis, auf einer Pressekonferenz in Dortmund.

    Beim Polizeipräsidium Dortmund arbeiten rund 50 Beamte an dem Fall. Neben der Ermittlungskommission richtete die Polizei eine Expertengruppe ein, die verschiedene Denkansätze verfolgen soll. Neben einer politisch Motivation könne es sich auch um eine geplante Erpressung der Deutschen Bahn handeln, sagt Kleis. «Hinweise darauf sind uns aber nicht bekannt. Auch das Werk von «allgemein Kriminellen» sei möglich.

    Die Bahn rief alle Mitarbeiter zu erhöhter Aufmerksamkeit auf. «Und die ist ohnehin schon sehr hoch», sagte ein Bahnsprecher am Dienstagabend in Berlin.

    Die Bombenfunde weckten Erinnerungen an einen versuchten Anschlag am Dresdner Hauptbahnhof: Am Freitag vor Pfingsten 2003 hatte nur ein Konstruktionsfehler verhindert, dass ein mit Sprengstoff gefüllter Koffer auf dem Bahnhof explodierte, der hunderte Reisende hätte töten oder verletzen können. Ende Juli 2005 wurde der Bombenleger wegen mehrfachen versuchten Mordes zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt. Als Motiv hatte der Geschäftsmann aus dem Vogtland angegeben, er habe wegen finanzieller Probleme die Deutsche Bank erpressen wollen. (nz)

     
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