Terroralarm nach Bombenfunden in Bahnhöfen
01.08.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Der herrenlose Koffer in Koblenz sei bereits am Montag abgegeben, aber erst am Dienstag geöffnet worden. Weitere Details zu dem Vorfall wurden nicht genannt. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft müsse noch ermittelt werden, ob es sich um scharfe Sprengsätze handelte und ob die beiden Gepäckstücke miteinander zu vergleichen seien. Am Nachmittag waren alle Zufahrtsstraßen zum Bahnhof gesperrt worden, Reisende mussten in sicherer Entfernung hinter Absperrungen warten.
Züge konnten nicht fahren. Nach einer Stunde wurde der Bahnhof wieder freigegeben. Es bestehe keine Gefahr für die Bevölkerung, sagte eine Polizeisprecherin. «Die Gefahr ist gebannt.»
Dort entdeckten Mitarbeiter die Bombe und alarmierten Sprengstoffexperten des Landeskriminalamts. Anschließend wurde der Bahnhof evakuiert, es kam zu zahlreichen Zugverspätungen. Seit wann der Koffer im Abteil der zweiten Klasse gestanden hatte, ist für Staatsanwaltschaft und Polizei noch völlig unklar: «Der Zug war seit 4.40 Uhr im Einsatz», sagte Staatsanwalt Kruse. Hinweise auf Täter und Motive gab es zunächst nicht. Die Bombenkonstruktion sei als professionell zu bezeichnen, sagte der Leiter der Polizeiexpertengruppe, Jürgen Kleis, auf einer Pressekonferenz in Dortmund.
Die Bahn rief alle Mitarbeiter zu erhöhter Aufmerksamkeit auf. «Und die ist ohnehin schon sehr hoch», sagte ein Bahnsprecher am Dienstagabend in Berlin.
Die Bombenfunde weckten Erinnerungen an einen versuchten Anschlag am Dresdner Hauptbahnhof: Am Freitag vor Pfingsten 2003 hatte nur ein Konstruktionsfehler verhindert, dass ein mit Sprengstoff gefüllter Koffer auf dem Bahnhof explodierte, der hunderte Reisende hätte töten oder verletzen können. Ende Juli 2005 wurde der Bombenleger wegen mehrfachen versuchten Mordes zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt. Als Motiv hatte der Geschäftsmann aus dem Vogtland angegeben, er habe wegen finanzieller Probleme die Deutsche Bank erpressen wollen. (nz)

