Rechtschreibung: Die neuen Regeln
28. Jul 2006 10:40
 |  Schüler | Foto: AP |
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Acht Jahre nach Einführung der neuen Rechtschreibung müssen sich Lehrer und Schüler noch einmal umstellen. Ab 1. August wird an den Schulen ein revidiertes Regelwerk verbindlich.
Die ab 1. August 2006 gültigen Neuregelungen der Rechtschreibung betreffen nicht alle sechs Bereiche der Reform: Keine Änderungen gibt es in den Bereichen Laut-Buchstaben- Zuordnungen sowie bei der Schreibung mit Bindestrich.
Dagegen wurden einige Änderungen in den Bereichen Getrennt- und Zusammenschreibung, Groß- und Kleinschreibung sowie Zeichensetzung und Worttrennung am Zeilenende vorgenommen.
Getrennt- und Zusammenschreibung
Hier wurden die Regeln zur Schreibung von Verben, von Verbindungen aus Adjektiv und Adjektiv sowie von Anglizismen zum Teil geändert. So schreibt man nun etwa «abwärtsfahren» und «eislaufen» statt bisher «abwärts fahren» und «Eis laufen»; «krankmachen» und «kennenlernen» ist genauso möglich wie «krank machen» und «kennen lernen». Zudem gibt es Änderungen bei einzelnen Wörtern wie «Finger breit» oder «Mund voll».
Groß- und Kleinschreibung
Hier wurden die Regeln zur Schreibung von adjektivischen Dubletten (»jemandem freund sein», aber «jemandes Freund sein»), von festen Verbindungen aus Adjektiv und Substantiv (»Blauer Brief» statt bisher «blauer Brief») sowie der Anredepronomina «du» und «ihr» geändert, die in Briefen nun wieder «Du» und «Ihr» heißen können. Außerdem gibt es Änderungen bei der Schreibung einzelner Wörter, zum Beispiel «bankrottgehen» (statt bisher «Bankrott gehen») oder «jenseits von Gut und Böse» (statt bisher «jenseits von gut und böse»).
Zeichensetzung
Bei der Reihung von Nebensätzen, die durch «und», «oder», «beziehungsweise», «entweder - oder», «nicht - noch» oder durch «weder - noch» verbunden sind, kann man kein Komma mehr setzen. Bei Infinitivgruppen mit einem bloßen Infinitiv wird das Komma freigestellt (»Thomas dachte nicht daran(,)zu gehen»). Obligatorisch wird ein Komma bei Infinitivgruppen, die mit «um», «ohne», «statt», «anstatt», «außer» oder «als» eingeleitet werden («Sie öffnete das Fenster, um frische Luft hereinzulassen») oder die von einem Substantiv abhängen («Der Einbrecher wurde beim Versuch, den Tresor zu knacken, vom Nachtwächter überrascht»).
Worttrennung am Zeilenende
Die Abtrennung von Einzelvokalen am Wortanfang oder -ende wird in Zukunft prinzipiell ausgeschlossen (nicht mehr: E-sel, Feiera-bend, Bi-omüll).
Doppel-S
Ob ein Wort mit 'ss' oder 'ß' geschrieben wird, hängt von der Aussprache des vorangehenden Vokals ab. Wird dieser kurz ausgesprochen, wird das Wort mit Doppel-S geschrieben. Das ist zum Beispiel bei 'Kuss', 'Fluss' oder 'bisschen' der Fall. Bei langen Vokalen bleibt es dagegen beim 'ß', also etwa bei 'Gruß', 'Spaß' oder 'Straße'.Mit Doppel-S wird auch die Konjunktion 'dass' geschrieben, die das vorher geltende 'daß' ersetzt. Es bleibt aber bei der seit Jahrzehnten geltenden Unterscheidung zwischen 'das' und 'dass': Danach wird 'das' geschrieben, wenn es sich durch dieses, jenes oder welches ersetzen lässt. Ansonsten heißt es 'dass'. Folgende Beispiele können den Unterschied verdeutlichen: «Er betrachtete das Bild, das (welches) an der Wand hing.» «Ich weiß, dass es heute schon ziemlich spät ist.»
3 gleiche Buchstaben in Wörtern
Wenn bei Zusammensetzungen drei gleiche Buchstaben aufeinandertreffen, wird keiner davon gestrichen. Dadurch entstehen beispielsweise die berühmt gewordene 'Schifffahrt' mit drei 'f', aber auch der 'Sperrriegel' oder das 'Zooorchester'. Alternativ ist auch die Schreibung mit Bindestrich möglich, also etwa 'Zoo-Orchester'. (nz)