20.07.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Rettungsarbeiten im Katastrophenort
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Falscher Leim, eine überschätzte Konstruktion und fehlende Prüfungen - Der verheerende Einsturz der Eishalle von Bad Reichenhall hat ein Mix von Schlampereien als Ursache.
Haarsträubende Konstruktionsfehler und vergessene Prüfungen haben Anfang Januar die Eissporthalle Bad Reichenhall einstürzen lassen. Zu diesem Ergebnis kam die Staatsanwaltschaft Traunstein in einem Gutachten. Die Behörde leitete gegen acht Verantwortliche Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung ein.
Bei dem Unglück am 2. Januar waren zwölf Kinder und Jugendliche sowie drei Mütter ums Leben gekommen. 34 weitere Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.
Die enorme Schneelast habe das Unglück nur deshalb auslösen können, weil bei Planung und Bau der Halle 1972 massive Fehler gemacht worden seien, erklärte Oberstaatsanwalt Helmut Vordermayer. Hauptursache war demnach ein ungeeigneter Leim. mit dem die Dachträger verklebt waren. Zudem waren die aus Holzleisten zusammengeklebten, hohlen Träger entgegen der damals allgemein anerkannten Regeln, «wenig robust» hergestellt.
Betreiber unverdächtigDie 75 Meter lange und 48 Meter breite Halle wurde so errichtet, dass das Dach auf 2,87 Meter hohen Holzpfeilern ruhte, die innen hohl waren. Deren Tragkraft schätzen die Konstrukteure wesentlich höher ein, als das Dachgebälk wirklich zu tragen imstand war. Ein weiteres Manko: Keiner prüfte im Laufe der Jahre, ob die Konstruktion noch ausreichend in Schuss war.
Bei den Verdächtigten handelt es sich um vier ehemalige Mitarbeiter der Stadt Bad Reichenhall, zwei frühere Beschäftigte von Firmen, die am Bau des Daches beteiligt waren, und zwei Architekten und Bauingenieure. Kein Verdacht bestehe gegen die am Unglückstag für den Betrieb der Halle verantwortlichen Personen, erklärte die Staatsanwaltschaft. Ein Laie habe trotz der vom schneebedeckten Dach kommenden Geräuschen nicht mit dem Einsturz rechnen müssen. (nz)