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Das einzige Schniefen der Maulwürfe im Archiv

18. Jul 2006 16:56
Maulwurf
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Der Fuchs bellt «huhuhu», die Singdrossel ruft «judiitjudiit»: im Tierstimmen- Archiv der Berliner Humboldt- Universität sind rund 110.000 Aufnahmen von Tieren gesammelt. Kein anderes Archiv hat mehr Säugetier-Stimmen auf Lager.

Von Aliki Nassoufis

Meterlange Regale, unzählige Tonbänder und rund 110.000 Aufnahmen von Walen, Tigern, Füchsen und Flamingos: Das Tierstimmenarchiv der Humboldt-Universität in Berlin ist weltweit eines der bedeutendsten. «Nur die Sammlung an der Cornell University in den USA ist größer und die in London hat etwa denselben Umfang wie unsere», sagt der Leiter des Archivs, Karl-Heinz Frommolt. Seit 1951 sammeln die Berliner Mitarbeiter die Stimmen von kleinen und großen Tieren. Besonders wertvoll: die vermutlich einzige Aufnahme eines Maulwurfs.

Karl-Heinz Frommolt, Kustos des Tierstimmen-Archivs
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Beschreibung der Gesänge und Rufe

«Mit den Aufnahmen kann man das Verhalten der verschiedenen Tiere analysieren, denn Laute sind ja ein wichtiger Bestandteil des Verhaltens», erklärt Frommolt das Hauptaufgabengebiet des Archivs. Dafür werteten schon der bekannte Forscher Günter Tembrock und seine Kollegen in den 50er Jahren die Länge und die Frequenz jeder Aufnahme aus und erstellten so eine exakte Beschreibung der einzelnen Gesänge und Rufe. «Das ermöglicht Wissenschaftlern das genaue Untersuchen beispielsweise von Balz- oder Warnrufen», sagt Frommolt.

Beilagen für Bücher

Die Aufnahmen werden allerdings auch für populärwissenschaftliche Zwecke genutzt. Einige von ihnen sind in Audioinstallationen in Zoologischen Gärten oder Naturkundemuseen zu hören oder werden für akustische Beilagen zu Büchern verwertet. Für die aktuelle Audiothek der Brockhaus-Enzyklopädie wurden sogar mehr als 1500 Aufnahmen zur Verfügung gestellt.

So singt der Waldkauz

Dabei hatte das Berliner Archiv einst ganz klein begonnen. Am 30. Oktober 1951 wollte der junge Tembrock, damals wissenschaftlicher Mitarbeiter des Zoologischen Instituts und späterer Gründer des Archivs, ein neues Tonbandgerät ausprobieren - und hielt es von seinem Büro aus in den Innenhof, wo sich gerade ein frei fliegender Waldkauz mit seinen zwei im Käfig gehaltenen Artgenossen «unterhielt». «Die Gesänge dieser drei Waldkäuze waren die Geburtsstunde des Tierstimmenarchivs», sagt Frommolt, der selber seit 1987 für die Sammlung verantwortlich ist.

Während zu Beginn der Sammlung die meisten Stimmen noch in Berlin und Umgebung - vor allem im Zoo und im Tierpark - aufgenommen wurden, kamen im Laufe der Jahre immer exotischere Gebiete hinzu. Heute gibt es Aufnahmen von Tieren rund um den Globus, darunter aus dem Kaukasus, Zentralasien, Nordafrika und der Antarktis.

Archivschränke im Fundus des Tierstimmen-Archivs
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Weltweit größte Säugetier-Sammlung

«Judiitjudiit» ruft beispielsweise die Singdrossel, während die Füchse ein eher melodisches «huhuhu» bellen. «Wir haben die umfangreichste Säugetier-Sammlung der Welt», sagt Biologe Frommolt stolz. «Dazu gehören vor allem die Aufnahmen von hundeartigen Tieren wie Wölfen, Schakalen und Polarfüchsen - immerhin hatten wir hier am Zoologischen Institut auch einige Zeit eine eigene Außenanlage mit Rotfüchsen.»

Besonders wertvoll in der Sammlung ist dennoch die weltweit vermutlich einzige Aufnahme eines Maulwurfes. Ein Mitarbeiter hatte das Tier in den 60er Jahren zufällig auf einem Feld entdeckt und mit ins Institut gebracht. Auf der nur knapp zweiminütigen Tonspur ist jetzt ein leises, schniefartiges Geräusch zu hören. (dpa)


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