netzeitung.dePlastinator startet Leichenklappe Anfang 2007

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Gunther von Hagens mit Scheibenplastinat (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Gunther von Hagens mit Scheibenplastinat
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Der Leichenpräparator Gunther von Hagens will die ersten 30 Mitarbeiter in Guben ab September beschäftigen. Für viele ist es der Sprung aus der Arbeitlosigkeit.

Von Peter Jähnel

Leichenpräparator Gunther von Hagens hat einen Starttermin für die Plastination von Körperscheiben im brandenburgischen Guben angekündigt. Die in einem früheren Fabrikkomplex geplante Werkstatt solle im Frühjahr mit der Arbeit beginnen, kündigte der 61-jährige Erfinder der Ausstellung «Körperwelten» am Montag in Guben an.

Vom 1. September an sollen die ersten 30 Mitarbeiter mit der Arbeit beginnen. In fünf Jahren solle es dann etwa 200 bis 300 Arbeitsplätze in Guben geben.

In den Umbau des denkmalgeschützten Backsteingebäudes wolle er in den nächsten drei bis fünf Jahren 3,5 Millionen Euro investieren, sagte von Hagens. Die ersten 500.000 Euro sollen noch in diesem Jahr fließen, um das Gebäude winterfest zu machen.

Weiteres Gebäude gekauft
Von Hagens hatte die ehemalige Fabrik für einen symbolischen Euro von einer Treuhand- Nachfolgegesellschaft gekauft. Er werde auch das angrenzende frühere Rathaus für rund 75.000 Euro am 1. August übernehmen, kündigte er an.

Einige der künftigen Mitarbeiter versammelten sich am Montag im Hof des Gebäudekomplexes. Viele kommen aus der Region und waren zuvor arbeitslos. Die Arbeitslosigkeit in Guben liegt bei 20 Prozent.

«Endlich wieder eine Chance»
Die 48-jährige Elisabeth Weiss aus Guben war seit 2004 arbeitslos. «Ich sehe hier endlich wieder eine Chance, Arbeit zu finden, und außerdem möchte ich gern in Guben bleiben», so die künftige Mitarbeiterin. Die ebenfalls zuvor arbeitslose Carola Schmidt aus Forst ist als Abteilungsleiterin für die Feinschleiferei vorgesehen. «Mir gefällt hier, dass wir etwas völlig Neues anfangen können», sagt die Bankkauffrau.

Von Hagens erzählte den künftigen Mitarbeitern von der besonderen Aufbruchstimmung, die er in Guben verspürt habe. Das bestätigte auch Sebastian Pilz, der in Heidelberg für die Plastination von Körperscheiben verantwortlich war und nun mit nach Guben zieht. Zuvor muss er im August aber mit vier neuen Kollegen für einige Wochen zur Ausbildung nach China, wo von Hagens in Dalian eine Plastinationsstätte mit 250 Mitarbeitern unterhält.

Doch die Plastinationswerkstatt hat nicht nur Fürsprecher: Die Evangelische Kirche hatte gegen die Ansiedlungspläne protestiert. Jetzt prüft die Kirche eine Verfassungsklage, um das Vorhaben noch zu stoppen. (dpa)