Ostsee-Algen für den weltweit ersten Algenwein
14.07.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Für Gourmets ist er bereits der letzte Schrei in der heimischen Küche: Dabei ist der weltweit erste Algenwein eigentlich ein Zufallsprodukt. Den herben Tropfen entdeckten Kieler Meeresbiologen, als sie einen Tank mit besonders lange gelagertem Algenextrakt öffneten, an den Sauerstoff gekommen war. «Der duftete wie Sherry und hatte die typisch samtbraune Färbung gereiften Weines», erinnert sich Inez Linke von der Kieler Firma Ocean Wellness. «Nach drei Jahren des Experimentierens sitzt jetzt jede Phase der Algenwein-Herstellung», resümiert die Inhaberin von Deutschlands erster Algenfarm stolz.
«Die Algen werden fermentiert, eingemaischt und gären - mit Bakterien- und Hefekulturen versetzt in großen Tanks bei Raumtemperatur», sagt Linke. «Lebensmittelrechtlich und technisch gesehen ist das ein Wein, der da in Nordlage entsteht».
Die Uni Tübingen nahm den Begriff Algenwein aber schon einmal in ihre «Wortwarte» auf. Es sei «eine neue Sache, die einer neuen Benennung bedarf» - und die immerhin 11 bis 13 Prozent Alkohol enthält. Doch ob nun Wein, Algenelixier oder - wie Linke es hilfsweise auch behördenmäßig formuliert: «alkoholhaltiges Getränk auf Algenbasis» - Interesse hat das Produkt schon bei mehreren Spitzenrestaurants an der Förde und in Hamburg geweckt. Das Kieler Vier-Sterne-Wellnesshotel «Birke» etwa testete vorab. Dort gehört die Laminaria nun zur Speisekarte.
Der Meeresbiologe Levent Piker sieht weitere Möglichkeiten: «Selbst Geschäftspartner in Grönland haben Interesse bekundet. Angesichts leergefischter Meere könnten durch unsere Lizenz-Produktion Arbeitsplätze entstehen.» Wie das gehen könnte, zeigt das Beispiel Asien. Meeresalgen sind dort nicht nur fester Bestandteil der Speisezettel - Lebensmittel- und Pharmaindustrie nutzen sie zu vielerlei Zwecken.
Die Pflegeprodukte auf Algenbasis beschäftigen inzwischen auch die Uni Kiel. An der Hautklinik laufen Studien zur Wirkung der Algenpräparate. Bei der stark juckenden und quälenden Neurodermitis gibt es vielversprechende Anzeichen, so die Dermatologin Regina Fölster-Holst von der Hautklinik der Kieler Universität. Fachleute hoffen, mit dem Braunalgenextrakt eine schonende Alternative zu herkömmlichen Präparaten zu haben. (dpa)

