Russlands Zoll blockiert ausländischen Alkohol
10.07.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Kaum hat das klassische Wodka-Land Russland Gefallen an ausländischen Weinen gefunden, da sitzt es auf dem Trockenen. «Importmarkt für Alkohol in Panik», lautet eine typische Moskauer Schlagzeile der vergangenen Tage. 15 Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion stehen viele Spirituosenläden wieder so leer wie zu kommunistischen Zeiten. Schuld daran ist dieses Mal aber keine Anti-Alkohol-Kampagne wie unter Generalsekretär Michail Gorbatschow, sondern bürokratisches Chaos.
Restaurants können ihren verärgerten Kunden nur noch billigen heimischen Wein, Wodka oder Bier anbieten. Wer eine Hochzeit oder einen Empfang organisiert, muss sich die kostbaren Tropfen regelrecht zusammenklauben.
Im vergangenen Jahr entfielen etwa 70 Prozent des knapp zwei Milliarden Euro schweren Weinmarktes auf Importe. Die Umetikettierung betrifft Waren im Wert von drei Milliarden Rubel (ca. 87,5 Millionen Euro). Erfahrungen mit den russischen Behörden in der Vergangenheit lassen befürchten, dass der Großteil der Ware bis zum Ablauf der Frist am 29. Dezember nicht umetikettiert sein wird. Ein Teil könnte zudem einfach verschwinden.
Zu Beginn des Jahres gab es schon einmal zwei Monate lang ähnliche Probleme: Einige Spirituosensorten sollten umetikettiert werden, die neuen Zollmarken waren aber noch nicht gedruckt. Diesmal liegen 287 Millionen Marken beim Zoll bereit. Trotzdem arbeitet die Bürokratie für viele Händler zu langsam. Doch da die Kritik an den Behörden zunimmt, hoffen manche Händler, dass sich die Weinregale schon in ein paar Wochen wieder füllen.
Viele Weinliebhaber befürchten, dass sich einige etablierte Restaurants sich nie wieder von den Verlusten in ihren Weinkellern erholen werden. «Der Weinkeller ist für viele Restaurants die Visitenkarte. Er wurde über Dutzende Jahre aufgebaut. Oft existieren die Händler gar nicht mehr», sagt Maria Orlowa vom Restaurantverband. (dpa)

