«Verrückter» rast in WM-Fanmeile in Berlin
02. Jul 2006 17:00, ergänzt 20:27
 |  Feuerwehrmänner am VW-Polo, der zuvor in die Fanmeile gefahren ist | Foto: dpa |
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Der Autofahrer, der die Absperrungen zur WM-Fanmeile durchbrochen hat, wollte nach ersten Erkenntnissen kein Attentat begehen. Dennoch wurden viele Menschen verletzt.
Dramatischer Zwischenfall auf der Berliner WM-Fanmeile: Ein 33-jähriger Autofahrer hat am Sonntagnachmittag mit seinem VW Polo in der Nähe des Brandenburger Tors absichtlich die Absperrungen zum Festgelände durchbrochen und dort 21 Menschen verletzt. Eines der Opfer, ein 11-jähriger Junge, trug nach Angaben der Polizei schwere Verletzungen davon, die übrigen leichte.
Der Fahrer und seine 55-jährige Beifahrerin wurden festgenommen. Der Verdacht, der Mann könnte eine Bombe im Auto haben, bestätigte sich nicht, wie Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) am Sonntagabend sagte. Am Sicherheitskonzept der WM solle sich nichts ändern. Auch an der für das Halbfinale am Dienstag geplanten Erweiterung der Fanmeile soll festgehalten werden. Bislang besuchten die Fanmeile seit Beginn der WM vor rund drei Wochen über sechs Millionen Menschen. «Es handelt sich nicht um ein Attentat», sagte Körting. Vielmehr habe offenbar ein «Verrückter» versucht, Aufmerksamkeit zu erregen. «Über die Motive wissen wir noch nichts.» Der 33-Jährige sei deutscher Staatsbürger indischer Abstammung. Der zeitweilige Verdacht auf einen Sprengstoffanschlag sei entstanden, weil er nach dem Aussteigen «Kawumm» gerufen habe. Berlins Senatssprecher Michael Donnermeyer betonte: «Wir haben Glück gehabt.»
Zickzackkurs bis zum Brandenburger Tor
Der Zwischenfall ereignete sich nach Körtings Worten gegen 15.45 Uhr auf der Südseite des Brandenburger Tors. Der silbergraue Wagen kam vom Potsdamer Platz her, durchbrach absichtlich eine Absperrung an der Ebertstraße und fuhr im Zickzackkurs bis zum Brandenburger Tor. Dort kam er Körting zufolge an weiteren Absperrungen zum Stehen. «Vielleicht wollte er auch Menschen ausweichen», sagte Körting. Laut Augenzeugen waren relativ wenig Menschen an diesem Ort, zumal es am Sonntag kein WM-Spiel gab. Zehn der leicht verletzten Opfer kamen ins Krankenhaus, zehn weitere wurden ambulant versorgt.Ein Augenzeuge, Thorsten Meyer, vermutete: «Das war ein Attentat.» Er sagte, das Auto sei auf ihn zugefahren, seine Freundin habe ihn aus der Bahn gezogen. Der Fahrer sei seiner Schätzung nach mit 40 bis 50 Stundenkilometern unterwegs gewesen. Er sei an einen Betonpoller gefahren. Seiner Einschätzung nach sei der Mann bewusst in die Fanmeile hineingefahren, sagte Meyer. Zum Glück seien dort wenige Leute gewesen.
«Wir haben alles im Griff»
Die Fanmeile am Brandenburger Tor wurde geräumt und zeitweise weiträumig abgesperrt. Das für den Abend vorgesehene Symphoniekonzert sollte aber stattfinden. «Wir haben alles im Griff», sagte Donnermeyer. «Ich glaube, wir sollten uns von einem Verrückten nicht grundsätzlich das Lebensgefühl aufzwingen lassen», sagte auch Körting. Das Sicherheitskonzept habe sich bewährt und werde nicht verändert.Ein derartiger Zwischenfall lasse sich in einer Millionenstadt nicht verhindern, sagte Körting. Wenn ein «Verrückter» Schaden anrichten wolle, sei so etwas nie mit hundert prozentiger Sicherheit zu verhindern. Er verwies auf den Amoklauf eines Mannes bei der Eröffnung des Berliner Hauptbahnhofs vor gut einem Monat, bei dem ein 16-Jähriger wahllos auf Menschen eingestochen hatte und dabei 41 verletzte. (nz)