netzeitung.deInlandspresse trauert um Bruno

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Braunbär (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Braunbär
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Die Mehrzahl der deutschen Journalisten kommentiert den Abschuss des «Problembären» Bruno mit Kritik oder Selbstkritik. Nur vereinzelte Stimmen verteidigen die Abschusserlaubnis. .zwischentitel { font: bold 11px verdana, arial, helvetica, sans-serif; display: block; padding: 1px 3px 1px 3px; } «Bild»-Zeitung: Bruno war kein Monster Eine Nachricht berührt Deutschland: Der Bär Bruno ist tot! Es tut weh. Unsere flatternden Glücks-Fahnen sinken auf Halbmast. Bruno reißt eine Lücke. Warum? Bruno B. war kein Monster. Bruno war der erste Braunbär, der uns seit 170 Jahren besuchte - ein Gast bei Freunden. Bruno symbolisierte auch ein Gefühl: Der Urwald lebt! Bruno war der lebende Teddybär in einer Welt der Handys, Flat-TVs und des Polit-Frusts. Bruno war unser fremder Freund. Bruno war live, authentisch, anarchistisch. Drei Länder jagten ihn. Wir betreten den Mond, aber ein Bär narrt Stoibärs Jäger - er bleibt frei bis zum Tod. Das ist tröstlich, aber auch ernüchternd. Köllner «Express»: Besser er als wir Jetzt ist er tot: Bruno, der Bär, der uns seit fünf Wochen in Atem hielt. Kurz nachdem auf mysteriöse Weise die Abschussgenehmigung in Kraft trat, ist Bruno nun im Bärenhimmel. Der Schuss, der den zweijährigen Braunbären niederstreckte, scheucht die Republik auf. Und Tierschützer reagieren völlig überzogen mit Morddrohungen gegen Jäger und Bayerns Umweltminister Schnappauf. Natürlich ist es schade, dass der erste Bär, der seit 170 Jahren durch Bayern streifte, nur zwei Jahre alt werden durfte. Natürlich ist es schade, dass Bruno seine «schlechte Kinderstube», sein neugieriges Verhalten mit dem Tode bezahlen musste. Doch wie groß wäre erst der Aufschrei gewesen, hätte Bruno einen Wanderer, einen Bauern oder einen Radfahrer angegriffen. Denn so sehr wir Bruno auch alle ins Herz geschlossen haben: Er galt als Problembär - was auch Umweltschützer letztlich eingestehen mussten. «Pforzheimer Zeitung»: Schuss auf Natur Bedenklich ist, dass dem Freistaat die Beseitigung des vermeintlichen Problems offenbar wichtiger war als der Naturschutz - und das, obwohl der Bär tatsächlich noch keinem einzigen Menschen gefährlich geworden war. Die traurige Botschaft des Todesschusses ist klar. Sie lautet: Wilde Natur hat in Bayern nichts verloren. Und ihr Bären, wenn euch euer Leben lieb ist, solltet besser draußen bleiben! «Aachener Nachrichten»: Akzeptanz nur für «nette» Umwelt Bruno, der Bär musste sterben, weil in unseren Köpfen die Natur inzwischen auf Disney-Format reduziert ist: Sie hat lieblich, nett, gezähmt und allenfalls geordnet wild zu sein. Aber bitte nicht unberechenbar. Lieber akzeptieren wir, dass uns Atomkraftwerke um die Ohren fliegen können, dass Stress und Umweltgifte uns vorzeitig ins Grab schicken, als dass von der Natur auch nur eine kleine Gefahr ausgehen könnte. Aber natürlich lieben wir auch große wilde Tiere. Allerdings nur, wenn sie in Afrika, Alaska oder im Fernsehen herumlaufen. Oder wenn sie ausgestopft in einem Museum stehen. Wie bald Bruno, der Bär. «Lübecker Nachrichten»: Europas Scheinheiligkeit Der Fall Bruno zeigt: Es gibt kein Patentrezept, wie wir mit der Natur umzugehen haben, wenn sie uns zu sehr auf den Pelz rückt. Wie leicht ist es, von Europa aus zu protestieren, wenn Elefanten in Afrika zum Abschuss frei gegeben, wenn Löwen und Leoparden getötet werden. Elefanten zertrampeln ganze Dörfer, Raubkatzen dezimieren die Herden der Armen. Dagegen war unser Problembär ein ganz kleines Problem. Noch nicht einmal das haben wir in den Griff bekommen. «Sächsische Zeitung»: Gespaltenes Verhältnis So viel Aufhebens um einen Bären, könnte mancher sagen. Aber der Umgang mit Bruno zeigt schon die ganze Gespaltenheit, mit der wir der Natur begegnen. Die ist hübsch, wenn sie weit weg ist. Auf jeden Fall muss sie harmlos sein. Wir sind dafür, Elefanten vorm Aussterben zu retten oder bengalische Tiger, auch wenn die ab und an Eingeborene niedertrampeln oder fressen. Wir sorgen uns um Ozonloch, Klimawandel, abgeholzte Regenwälder und führen unsere Kinder in wohl geordnete Parks, in denen sogar das Risiko versichert sein sollte, von einem herab fallenden Ast getroffen zu werden. Wie viel Natur wir in Deutschland zulassen, liegt ganz allein bei uns selbst. «Stuttgarter Zeitung»: Zusammenleben muss erlernt werden Bedauerlich an der tödlichen Bärenjagd ist nicht nur der Tod des Tieres, sondern auch die Tatsache, dass die Urangst vieler Menschen vor Meister Petz wieder neue Nahrung bekommen hat. Daher ist die Forderung von Naturschützern berechtigt, aus den Erfahrungen zu lernen und Behörden wie Öffentlichkeit besser auf ein Zusammenleben von Mensch und Raubtier vorzubereiten. Bruno mag in gewisser Weise tatsächlich ein Problembär gewesen sein. Es kann gut sein, dass schon dem nächsten Exemplar die Büchse erspart bleibt. «Berliner Morgenpost»: Woanders klappt es Stringente logische Schlüsse lassen sich aus dem Braunbär- Abenteuer nicht ziehen. Hungrige, eingewanderte Tiere wissen nicht sofort, wohin sie gehören, man muss Geduld haben beim Verjagen, beim Verteidigen der Grenze zwischen Kultur und Wildnis. Mag sein, dass das bei Bruno nicht möglich war, doch in Slowenien und Österreich scheint es zu funktionieren. Dort hat man sich eine Konflikttoleranz angewöhnt, die freilich nur durchzuhalten ist, wenn nicht um jede aufgebrochene Stalltür ein nationales Possenspiel veranstaltet wird. Insofern hat sich nicht nur Bruno mit seinem geringen Verstand ziemlich dumm angestellt. «Fuldaer Zeitung»: Bayern machte es sich zu leicht Mit der Radikalmethode hat man es sich zu leicht gemacht. Bayern hätte mit einer sanften Lösung zeigen können, wie verantwortungsvoll dort selbst mit ungebetenen Gästen umgegangen wird. Wer sich - oft mit schulmeisterlich erhobenem Zeigefinger - als Naturschutz-Vorbild profilieren will, hat sich durch Brunos Abschuss einen Bärendienst erwiesen. «Münchner Merkur»: Blamage für Bayern Bruno ist tot - doch Bayern hat keinen Grund, voller Stolz den Abschuss des «Schadbären» in die Welt zu posaunen. Für den Freistaat war das Bären-Abenteuer eine peinliche Aneinanderreihung von Pannen. Bayerns Bärokraten - und an ihrer Spitze der wankelmütige Umweltminister Werner Schnappauf - haben in dem knapp sechswöchigen Frühsommertheater kein gutes Bild abgegeben. Die größte Panne geschah gleich zu Beginn von Brunos Bayern-Tournee: Dass «Schnappi» den pelzigen Zuwanderer fast schon liebevoll begrüßte, machte alle folgenden Entscheidungen - auch letztlich die Abschusserlaubnis - unglaubwürdig. Dem Bürger wurde schnell klar: Hier wurschtelt sich ein Minister durch, der vorwiegend das eigene Image und seine Beliebtheits-Quote im Blick hat. Neubrandenburger «Nordkurier»: Abschuss schadet Jägern Warum gelingt es bestens ausgebildeten und ausgerüsteten Experten wochenlang nicht, den streunenden Bären zu stellen, zu betäuben und in einen Tierpark zu bringen? Warum tötet aber ein Jäger Bruno, kaum dass der zuständige Minister sein Einverständnis zum Abschuss gegeben hat? Die Jäger, die über Jahrzehnte mühsam mit ungeheurem PR-Aufwand ihr Negativ-Image verbessert haben, fallen nach dieser von vielen Menschen als hysterisch und unangemessen empfundenen Aktion in alte Zeiten zurück. Von wegen Naturschützer, wird es heißen. Sie sind fortan wieder in der Defensive.

«Bild»-Zeitung: Bruno war kein Monster
Eine Nachricht berührt Deutschland: Der Bär Bruno ist tot! Es tut weh. Unsere flatternden Glücks-Fahnen sinken auf Halbmast. Bruno reißt eine Lücke. Warum? Bruno B. war kein Monster. Bruno war der erste Braunbär, der uns seit 170 Jahren besuchte - ein Gast bei Freunden.

Bruno symbolisierte auch ein Gefühl: Der Urwald lebt! Bruno war der lebende Teddybär in einer Welt der Handys, Flat-TVs und des Polit-Frusts. Bruno war unser fremder Freund. Bruno war live, authentisch, anarchistisch. Drei Länder jagten ihn. Wir betreten den Mond, aber ein Bär narrt Stoibärs Jäger – er bleibt frei bis zum Tod. Das ist tröstlich, aber auch ernüchternd.

Köllner «Express»: Besser er als wir
Jetzt ist er tot: Bruno, der Bär, der uns seit fünf Wochen in Atem hielt. Kurz nachdem auf mysteriöse Weise die Abschussgenehmigung in Kraft trat, ist Bruno nun im Bärenhimmel. Der Schuss, der den zweijährigen Braunbären niederstreckte, scheucht die Republik auf. Und Tierschützer reagieren völlig überzogen mit Morddrohungen gegen Jäger und Bayerns Umweltminister Schnappauf.

Natürlich ist es schade, dass der erste Bär, der seit 170 Jahren durch Bayern streifte, nur zwei Jahre alt werden durfte. Natürlich ist es schade, dass Bruno seine «schlechte Kinderstube», sein neugieriges Verhalten mit dem Tode bezahlen musste. Doch wie groß wäre erst der Aufschrei gewesen, hätte Bruno einen Wanderer, einen Bauern oder einen Radfahrer angegriffen. Denn so sehr wir Bruno auch alle ins Herz geschlossen haben: Er galt als Problembär - was auch Umweltschützer letztlich eingestehen mussten.

«Pforzheimer Zeitung»: Schuss auf Natur
Bedenklich ist, dass dem Freistaat die Beseitigung des vermeintlichen Problems offenbar wichtiger war als der Naturschutz – und das, obwohl der Bär tatsächlich noch keinem einzigen Menschen gefährlich geworden war. Die traurige Botschaft des Todesschusses ist klar. Sie lautet: Wilde Natur hat in Bayern nichts verloren. Und ihr Bären, wenn euch euer Leben lieb ist, solltet besser draußen bleiben!


«Aachener Nachrichten»: Akzeptanz nur für «nette» Umwelt
Bruno, der Bär musste sterben, weil in unseren Köpfen die Natur inzwischen auf Disney-Format reduziert ist: Sie hat lieblich, nett, gezähmt und allenfalls geordnet wild zu sein. Aber bitte nicht unberechenbar. Lieber akzeptieren wir, dass uns Atomkraftwerke um die Ohren fliegen können, dass Stress und Umweltgifte uns vorzeitig ins Grab schicken, als dass von der Natur auch nur eine kleine Gefahr ausgehen könnte.

Aber natürlich lieben wir auch große wilde Tiere. Allerdings nur, wenn sie in Afrika, Alaska oder im Fernsehen herumlaufen. Oder wenn sie ausgestopft in einem Museum stehen. Wie bald Bruno, der Bär.

«Lübecker Nachrichten»: Europas Scheinheiligkeit
Der Fall Bruno zeigt: Es gibt kein Patentrezept, wie wir mit der Natur umzugehen haben, wenn sie uns zu sehr auf den Pelz rückt. Wie leicht ist es, von Europa aus zu protestieren, wenn Elefanten in Afrika zum Abschuss frei gegeben, wenn Löwen und Leoparden getötet werden. Elefanten zertrampeln ganze Dörfer, Raubkatzen dezimieren die Herden der Armen. Dagegen war unser Problembär ein ganz kleines Problem. Noch nicht einmal das haben wir in den Griff bekommen.

«Sächsische Zeitung»: Gespaltenes Verhältnis
So viel Aufhebens um einen Bären, könnte mancher sagen. Aber der Umgang mit Bruno zeigt schon die ganze Gespaltenheit, mit der wir der Natur begegnen. Die ist hübsch, wenn sie weit weg ist. Auf jeden Fall muss sie harmlos sein. Wir sind dafür, Elefanten vorm Aussterben zu retten oder bengalische Tiger, auch wenn die ab und an Eingeborene niedertrampeln oder fressen. Wir sorgen uns um Ozonloch, Klimawandel, abgeholzte Regenwälder und führen unsere Kinder in wohl geordnete Parks, in denen sogar das Risiko versichert sein sollte, von einem herab fallenden Ast getroffen zu werden. Wie viel Natur wir in Deutschland zulassen, liegt ganz allein bei uns selbst.

«Stuttgarter Zeitung»: Zusammenleben muss erlernt werden
Bedauerlich an der tödlichen Bärenjagd ist nicht nur der Tod des Tieres, sondern auch die Tatsache, dass die Urangst vieler Menschen vor Meister Petz wieder neue Nahrung bekommen hat. Daher ist die Forderung von Naturschützern berechtigt, aus den Erfahrungen zu lernen und Behörden wie Öffentlichkeit besser auf ein Zusammenleben von Mensch und Raubtier vorzubereiten. Bruno mag in gewisser Weise tatsächlich ein Problembär gewesen sein. Es kann gut sein, dass schon dem nächsten Exemplar die Büchse erspart bleibt.

«Berliner Morgenpost»: Woanders klappt es
Stringente logische Schlüsse lassen sich aus dem Braunbär- Abenteuer nicht ziehen. Hungrige, eingewanderte Tiere wissen nicht sofort, wohin sie gehören, man muss Geduld haben beim Verjagen, beim Verteidigen der Grenze zwischen Kultur und Wildnis. Mag sein, dass das bei Bruno nicht möglich war, doch in Slowenien und Österreich scheint es zu funktionieren. Dort hat man sich eine Konflikttoleranz angewöhnt, die freilich nur durchzuhalten ist, wenn nicht um jede aufgebrochene Stalltür ein nationales Possenspiel veranstaltet wird. Insofern hat sich nicht nur Bruno mit seinem geringen Verstand ziemlich dumm angestellt.

«Fuldaer Zeitung»: Bayern machte es sich zu leicht
Mit der Radikalmethode hat man es sich zu leicht gemacht. Bayern hätte mit einer sanften Lösung zeigen können, wie verantwortungsvoll dort selbst mit ungebetenen Gästen umgegangen wird. Wer sich – oft mit schulmeisterlich erhobenem Zeigefinger – als Naturschutz-Vorbild profilieren will, hat sich durch Brunos Abschuss einen Bärendienst erwiesen.

«Münchner Merkur»: Blamage für Bayern
Bruno ist tot – doch Bayern hat keinen Grund, voller Stolz den Abschuss des «Schadbären» in die Welt zu posaunen. Für den Freistaat war das Bären-Abenteuer eine peinliche Aneinanderreihung von Pannen. Bayerns Bärokraten - und an ihrer Spitze der wankelmütige Umweltminister Werner Schnappauf - haben in dem knapp sechswöchigen Frühsommertheater kein gutes Bild abgegeben.

Die größte Panne geschah gleich zu Beginn von Brunos Bayern-Tournee: Dass «Schnappi» den pelzigen Zuwanderer fast schon liebevoll begrüßte, machte alle folgenden Entscheidungen – auch letztlich die Abschusserlaubnis – unglaubwürdig. Dem Bürger wurde schnell klar: Hier wurschtelt sich ein Minister durch, der vorwiegend das eigene Image und seine Beliebtheits-Quote im Blick hat.

Neubrandenburger «Nordkurier»: Abschuss schadet Jägern
Warum gelingt es bestens ausgebildeten und ausgerüsteten Experten wochenlang nicht, den streunenden Bären zu stellen, zu betäuben und in einen Tierpark zu bringen? Warum tötet aber ein Jäger Bruno, kaum dass der zuständige Minister sein Einverständnis zum Abschuss gegeben hat? Die Jäger, die über Jahrzehnte mühsam mit ungeheurem PR-Aufwand ihr Negativ-Image verbessert haben, fallen nach dieser von vielen Menschen als hysterisch und unangemessen empfundenen Aktion in alte Zeiten zurück. Von wegen Naturschützer, wird es heißen. Sie sind fortan wieder in der Defensive.