21.06.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Ein Braunbär
Foto: Archiv
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Braunbär «Bruno» ist wieder in Österreich gesichtet worden. Die Bärenjäger versuchen abermals seine Fährte aufzunehmen. Dem Einsatz einer Bärin werden allerdings kaum Chancen eingeräumt.
Braunbär «Bruno» ist nach seinem jüngsten Abstecher nach Bayern anscheinend wieder nach Österreich Richtung Zillertal zurückgekehrt. Nach Angaben der Sicherheitsdirektion Innsbruck wurde das zum Einfangen gesuchte Tier im Bezirk Schwaz auf sich aufmerksam. Allerdings fand man keine Fährte von ihm.
Ein Bewohner des Ortsteils Häusern meldete nach einem Bericht der Nachrichtenagentur APA, dass «Bruno» um 0:56 Uhr «mit großem Lärm» an seinem Haus vorbeigerannt sei. Er habe dabei den Lichtmelder des Wohnhauses aktiviert und sei für kurze Zeit gut sichtbar gewesen. Danach sei er nach Angaben des Augenzeugen Richtung Ortsteil Lerchenwiese davongerannt, erklärte die Polizei. Zudem wurde ein geplünderter Hühnerstall östlich des Rofangebirges gemeldet.
Hilfe einer brünftigen BärinDie Experten konnten die Beobachtungen jedoch nicht bestätigen: «Es wurden keine Spuren wie Haare, Tatzenabdrücke oder Losung gefunden», sagte der bayerische Bärenbeauftragte Manfred Wölfl. Die finnischen Bärenjäger mit ihren Elchhunden seien zunächst zum österreichischen Achensee gebracht worden, hätten aber keine Fährte aufgenommen. Derzeit liefen weitere Abstimmungsmaßnahmen mit den Tiroler Behörden, sagte Wölfl. Ob der Vertrag mit dem finnischen Team über diese Woche hinaus verlängert werde, ließ er offen.
Keine Chancen geben die Experten indessen dem Vorschlag eines Tiertrainers aus Hannover, «Bruno» mit Hilfe einer brünftigen Bärin in die Falle zu locken. Der Tiertrainer Dieter Kraml hatte dafür seine 13 Jahre alte Bärin «Nora» angeboten. Kraml sagte der «Augsburger Allgemeinen»: «Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Bär Witterung aufnimmt, wenn Nora in der Nähe ist», sagte Kraml. Er wolle mit Nora im Grenzgebiet zwischen Bayern und Tirol umherstreifen und warten, was passiert.
Hitze macht Bärenhunden zu schaffenWWF-Sprecher Jörn Ehlers nannte den Vorschlag «gar nicht so doof». Er habe aber einen entscheidenden Haken: «Die Bärin ist nicht nur viel zu alt, sondern Bruno auch noch viel zu jung: Er ist noch gar nicht geschlechtsreif!» Schon bislang seien alle Versuche, den zwei Jahre alten Bären mit Lockstoffen zu ködern, fehlgeschlagen. Ehlers mahnte ohnehin zur Geduld: «Die letzte Bärenjagd in Tirol hat sechs Jahre gedauert.»
Unterdessen schaltete sich auch der finnische Botschafter in Berlin, René Nyberg, in die Diskussion um «Bruno» alias JJ1 ein: Nyberg führte die tagelangen Misserfolge der finnischen Bärenjäger auf das heiße Sommerwetter an der deutsch-österreichischen Grenze zurück: «Die Witterungsverhältnisse sind natürlich in Bayern anders», sagte er dem Bayerischen Rundfunk. «Die armen, armen Bärenhunde leiden einfach unter der Hitze.» (nz)