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Kein Mitleid in der Todeszone am Mount Everest

29. Mai 2006 13:52
Lincoln Hall nach seiner Rückkehr ins Basislager
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Er wurde zum Sterben zurückgelassen in der so genannten Todeszone des Mount Everest, wo die Luft so dünn ist, dass sie einen langen Aufenthalt unmöglich macht. Doch während Lincoln Hall gerettet wurde, hatten andere weniger Glück.

In diesem Jahr sind bereits 15 Menschen bei der Besteigung des Mount Everest gestorben. Lincoln Hall war einige Stunden lang Nummer 16. Er wurde nach einem Zusammenbruch für tot erklärt und liegen gelassen. Doch der 50-Jährige Australier wurde gerettet – und hatte damit mehr Glück als der Engländer David Sharp, an dem Dutzende Bergsteiger einfach vorbeimarschierten. Sir Edmund Hillary, der den Mount Everest als Erster bestieg, kritisierte die mangelnde Hilfsbereitschaft der Bergsteiger.

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Hall war am Donnerstag auf dem Rückweg vom Gipfel des höchsten Berges der Erde, als er kurz unterhalb des Gipfels, noch innerhalb der so genannten Todeszone, auf rund 8700 Metern vermutlich wegen Sauerstoffmangels zusammenbrach. Wie die «New York Times» berichtet, erklärten ihn seine beiden Sherpa-Führer für tot, nachdem sie vergebens versucht hätten, ihm beim weiteren Abstieg zu helfen. Dann ließen sie ihn zurück, um sich selbst zu retten. Offizielle «Todesursache»: ein Gehirnödem.

Doch Hall starb nicht. Am nächsten Tag wurde er von einer anderen Expedition gefunden. «Lincoln bewegte sich nicht, aber es gab schwache Lebenseichen», zitiert die Zeitung aus der Website der Expedition unter der Leitung des Russen Alex Abramov. Ein Rettungsteam mit «Tee, Sauerstoff und Medikamenten» erreichte Hall. «Lincoln ruht sich aus, trinkt Tee. Er ist bei Bewusstsein, versteht aber nicht alles, was geschieht», notiert Abramov auf der Website.

Vergangenen Freitag schließlich hatten die Retter Hall in ein Lager in rund 7000 Metern Höhe gebracht. Einen Tag später war Hall in einem Basiscamp in 6400 Metern Höhe angekommen – er war selbst dorthin gelaufen. Inzwischen konnte er schon mit seiner Ehefrau telefonieren.

Zum Sterben zurückgelassen

David Sharp hatte weniger Glück. Sharp, der den Mount Everest im Alleingang bezwingen wollte, erfror am 15. Mai auf dem Weg zum Gipfel. Etwa 40 Bergsteiger gingen an ihm vorbei. «Wir werden nie erfahren, wer David geholfen hat und wer nicht», zitiert die Zeitung «EverestNews.com» vom Samstag.

Einer, der an dem sterbenden Sharp vorbeiging zum Gipfel, war der Neuseeländer Mark Inglis. Der Neuseeländer wurde berühmt als erster Mensch, der trotz beider amputierter Beine den Mount Everest bezwang.

«Auf 8500 Metern ist es äußerst schwierig, sich selbst am Leben zu erhalten, geschweige denn einen anderen», sagte Inglis im neuseeländischen Fernsehen. «An diesem Morgen liefen 40 Menschen an dem jungen Engländer vorbei».

Himalaya
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Inglis habe per Funk Hilfe für Sharp angefordert, doch ein anderer Bergsteiger habe zu ihm gesagt: «Du kannst nichts für ihn tun. Weißt du, er ist seit x Stunden hier oben, ohne Sauerstoff. Er ist praktisch tot.»

Hillary: Vergessen, was wichtig ist

Eine Einstellung, die Sir Edmund Hillary scharf kritisierte. «Diese Leute haben vollkommen vergessen, was wichtig ist», sagte er der «Otago Daily Times» (Neuseeland). Der Neuseeländer und sein Sherpa Tenzing Norgay hatten den Berg 1953 als erste bestiegen. «In unserer Expedition wäre es völlig undenkbar gewesen, dass wir einen Bergkameraden zum Sterben zurück gelassen hätten, wenn er nicht mehr weiter gekonnt hätte.» (nz)


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