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Attacke auf Deutsch-Afrikaner : 

Versuchter Mord an Schwarzem in Potsdam

17. Apr 2006 10:50, ergänzt 17:49
Der Tatort: Die Straßenbahnhaltestelle Charlottenhof
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In Potsdam ist ein aus Äthiopien stammender Deutscher angegriffen und schwer verletzt worden. Die Täter konnten unerkannt fliehen. Die Staatsanwaltschaft setzte 5000 Euro Belohnung aus.

Bei einem fremdenfeindlichen Übergriff in Potsdam ist ein 37-jähriger Mann äthiopischer Herkunft lebensgefährlich verletzt worden. Die unbekannten Täter hatten ihn am frühen Sonntagmorgen an einer Straßenbahnhaltestelle im Potsdamer Stadtteil Brandenburger Vorstadt angeriffen, teilte die Polizei am Montag mit. Die Tat habe einen fremdenfeindlichen Hintergrund.

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Das Opfer, das die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, liege in einer Klinik. Er habe ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und schwebe immer noch in Lebensgefahr.

Die Potsdamer Staatsanwaltschaft setzte 5000 Euro Belohnung für Hinweise auf die Täter aus. Es würden zwei Männer oder ein Mann und eine Frau gesucht, sagte ein Sprecher der Polizei. Ihre Stimmen seien zufällig von einer Mailbox aufgezeichnet worden.

Wie die Polizei zu dem Vorfall erklärte, habe das Opfer, ein seit 1987 in Deutschland lebender Ingenieur der Wassertechnik, auf die Straßenbahn gewartet. Dabei rief er seine Frau von seinem Handy an. Weil sie jedoch nicht abnahm, wurde sein Anruf aufgezeichnet und damit auch der Wortwechsel mit den Tätern. Diese beschimpften ihn demnach unter anderem als «Scheiß-Nigger».

Danach seien dem Mann mit Fäusten und Tritten so massive Schädel- und Knochenverletzungen, darunter eine Vielzahl von Rippenbrüchen, zugefügt worden, dass er später auf der Intensivstation in ein künstliches Koma versetzt werden musste.

Ein Taxifahrer habe das Opfer kurz nach 4.00 Uhr an der Haltestelle gefunden, sei ausgestiegen und habe zwei flüchtende Personen verfolgt, so die Polizei weiter. Nach etwa 250 Metern habe er die Verfolgung aber aufgeben müssen. Seiner Beschreibung zufolge war eine der beiden Personen 1,70 bis 1,80 Meter groß, dunkel gekleidet und mit einer Kurzhaarfrisur, die andere etwa zehn Zentimeter größer, von kräftiger Statur, extrem kurzhaarig, möglicherweise mit Glatze, und mit einer schwarzen Bomberjacke bekleidet.

«Abscheuliches Verbrechen»

Der brandenburgische CDU-Generalsekretär Sven Petke verurteilte den Überfall scharf und nannte ihn ein «abscheuliches Verbrechen». «Unsere Gedanken und Gebete sind bei dem Opfer und seiner Familie», hieß es in einer Stellungnahme. «Ein solch menschenverachtendes Verhalten muss von unserer Gesellschaft verurteilt und vom Rechtsstaat hart bestraft werden.»

Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) sprach von einer «neuen Qualität» im Vorgehen der rechtsextremen Szene, die im höchsten Maße beunruhigend sei. «Wir müssen alles daran setzen, dass die Tat gesühnt wird», sagte er. «Wir wollen eine Stadt, in der sich alle sicher fühlen.»

Schönbohm: «Dulden das nicht»

Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) verurteilte den Mordversuch scharf. «Wir dulden in diesem Lande nicht, dass Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Religion oder politischen Haltung von Extremisten verfolgt, zusammengeschlagen oder gar ermordet werden.»

Fremdenfeindliche Übergriffe haben brandenburgische Orte in jüngster Zeit wieder mehrfach in die Schlagzeilen gebracht. Im März schlugen in Cottbus unbekannte Täter auf einen Mazedonier und spanische Studenten ein. Zuvor hatten vermutlich Rechtsextremisten in Rheinsberg (Ostprignitz-Ruppin) mehrere Geschäfte von Ausländern demoliert. Erst vor kurzem verurteilte das Landgericht Potsdam fünf Männer aus der rechten Szene wegen eines brutalen Überfalls zu
mehrjährigen Haftstrafen. (nz)

 
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