28.03.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Eine ausgewogene Machtbeziehung hat dieses Paar nach Meinung der Forscher
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Rücken an Rücken oder eng umschlungen - wie ein Paar im Bett schläft, sagt laut US-Wissenschaftlern einiges über ihre Beziehung aus. Getrennte Betten seien aber auch kein Drama.
Von Britta SchmeisBeim Schlafen hört für die 33-jährige Lisa die Liebe auf. «Ich kann mir unmöglich mit meinen Freund eine Bettdecke teilen, und auch auf Körperkontakt kann ich während des Schlafens gut verzichten», sagt die Wiesbadenerin vehement. Ihr Freund Martin nimmt es gelassen: «Bei meiner vorherigen Freundin war das zwar anders, aber so ist's auch okay.» Beide sind mit ihrer Beziehung - und ihrem Sexleben - völlig zufrieden.
Die amerikanischen Wissenschaftler Mark Goulston und Samuell Dunkell würden das wahrscheinlich anders sehen. Frei nach dem Motto «Sag mir, wie du schläfst und ich sag dir, wie deine Beziehung ist» fanden sie heraus, was die Schlafposition über ein Paar aussagt.
Nächtliches BettdeckengezerreSo haben die beiden Forscher verschiedene Stellungen benannt und interpretiert: Wer Rücken an Rücken schläft, ist sich sexuell und sinnlich verbunden, mag aber die Unabhängigkeit - vorausgesetzt die Pos berühren sich. Die Löffelchenstellung verrät ein problemfreies Machtverhältnis, und Frischverliebte schlafen eng umschlungen im «Liebesknoten». Nicht gut ist es um Paare bestellt, die sich nachts gar nicht berühren und sich auch noch die Rücken zuwenden. Das könne auf Spannungen hindeuten, meinen Dunkell und Goulston.
Unterschiedliche Kuschelbedürfnisse und nächtliches Bettdeckengezerre sorgen in so manchem Schlafzimmer für handfeste Auseinandersetzungen und tiefe Kränkungen. Schlafmediziner und Paartherapeuten geben jedoch Entwarnung. «Schlafgewohnheiten sind etwas sehr Individuelles und sollten daher gerade in einer Beziehung nicht überbewertet werden», sagt der Hamburger Paartherapeut Elmar Basse. Vor allem haben sie eine Menge mit Gewohnheit zu tun - und die können sich bekanntlich ändern - mal leichter, mal schwerer.
Ehen scheitern an Biorhythmen«Mein Freund war fast entsetzt, als wir die erste Nacht miteinander verbracht haben, und ich mir mit ihm meine Bettdecke teilen wollte», erinnert sich die 29-jährige Katja aus Hamburg. Ihre Gästedecke kramte sie trotzdem nicht heraus. «Heute schlafen wir fast immer unter einer Decke», sagt Katja. Und Stefan und Maja aus Düsseldorf teilen sich seit zwölf Jahre eine Decke. Etwas anderes kommt für sie gar nicht in Frage. «Das ist doch so kuschelig», sagen sie begeistert - und sind sich einig wie nur wenig Paare.
«Die meisten Ehen sollen ja daran scheitern, dass die Partner unterschiedliche Biorhythmen haben», sagt der Leiter des Schlaflabors an der Marburger Universitätsklinik, Prof. Heinrich Becker. Christoph Schraivogel, Betreiber des Internetportals www.schlafkampagne.de, ist überzeugt: «Es ist eher ein Wunschdenken, dass zwei Menschen erholsam unter einer Bettdecke schlafen.» Das hat allerdings gute Gründe.
Anstrengende Muskelzuckungen«Für viele ist nächtliche Nähe einfach unbequem, und sie beeinträchtigt den geruhsamen Schlaf», sagt Diplom-Psychologe Werner Cassel vom Marburger Schlaflabor. Viele Menschen seien nachts extrem unruhig, litten etwa an dem «Restless-Leg-Syndrom», das sich in Schmerzen und Unruhe in den Beinen äußert. Sie haben Muskelzuckungen oder schnarchen. «Das kann extrem anstrengend für den anderen sein», sagt Cassel. Und Paartherapeut Basse warnt: «Wer nachts nicht gut schläft und morgens wie gerädert aufwacht, ist unausgeglichen und projiziert die Gereiztheit möglicherweise auf den Partner.»
Deswegen sollten Paare Schlafrituale schaffen, lautet das Plädoyer der Schlafexperten. «Gerade wenn die Schlafgewohnheiten sehr unterschiedlich sind, kann man sich darauf einigen, dass man gemeinsam zu Bett geht, dann eine Weile kuschelt und danach jeder auf seine Seite des Bettes oder unter seine Bettdecke schlüpft», rät Cassel. Selbst getrennte Schlafzimmer seien keine Katastrophe. «Es gibt sehr glückliche Paare, die getrennt schlafen.»
Von Anfang an kuschelnPaartherapeut Basse allerdings weiß, dass sich eher langjährige Paare nachts räumlich trennen. «Wenn eine Beziehung immer stärker auf Vertrauen und Harmonie beruht, nimmt die Erotik oft ab, was aber für viele Paare durchaus okay ist.» Problematischer sei, wenn einer der Partner oder auch beide überhaupt keinen Körperkontakt wollen. «Dann stimmt irgendetwas nicht», ist der Paartherapeut überzeugt. Vor allem, wenn das Paar vorher eher nah beieinander geschlafen hat.
Wer seinem Partner auch im Schlaf ganz nah sein will, sollte dies schon am Beginn der Beziehung deutlich machen. Denn sogar ausgemachte Alleinschläfer lassen sich in der Phase der Verliebheit vielleicht noch zum nächtlichen Kuscheln bekehren. «Gerade Frischverliebte suchen in der Regel die Nähe», erklärt der Hamburger Paartherapeut Elmar Basse. So könne das anfänglich befremdliche Kuschelverhalten des neuen Partners doch zur gemeinsamen Gewohnheit werden. (dpa/gms)