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Wettstreit der Samba-Schulen in Rio

27. Feb 2006 12:47
Tänzerin beim Karneval in Rio
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Zwei Tage lang tanzen die Samba-Schulen von Rio de Janeiro um die Wette. Die farbenprächtigen Umzüge der Gruppen ziehen Tausende an - nicht nur wegen der Kostüme, die gelegentlich von einem Bodypainting ersetzt werden.

Von Emilio Rappold

In Rio de Janeiro haben am Sonntagabend die Samba-Paraden begonnen, der Höhepunkt des brasilianischen Karnevals. 3800 Tänzer der Samba-Schule Salgueiro eröffneten vor 70.000 Zuschauern im Sambadrome die zweitägigen Darbietungen von insgesamt 14 Gruppen, aus denen ein Gewinner gekürt wird. Vorjahressieger Beija Flor hofft auf einen vierten Titel in Folge.

Die Umzüge der Samba-Schulen werden landesweit im Fernsehen übertragen. Die Zeitung «O Globo» veröffentlichte am Sonntag eine Umfrage, derzufolge 37 Prozent der Brasilianer der Meinung sind, die beste Art Karneval zu feiern, sei es, sich die Samba-Paraden im Fernsehen anzuschauen.

150.000 bei der Eröffnung

Rund 150.000 Menschen nahmen am Samstag im Zentrum von Rio de Janeiro an einer Straßenparade teil, mit der der Karneval in der Metropole traditionell eröffnet wurde. Bei schwüler Hitze um die 40 Grad tanzten und sangen Menschen aller Rassen und Klassen ausgelassen um die Allegorie- und Musikwagen zu den Samba-Rhythmen des Karnevalsklubs «Cordao da Bola Preta» (Schnur des Schwarzen Balles). Während der Karnevalswoche gibt es in Rio 30 Straßenumzüge. «Karneval ist das tollste. Danach kann ich ruhig tot umfallen, das ist mir egal», jubelte die 88-jährige Mulattin Dodo.

Bilderschau:
Die Straßenveranstaltungen feiern seit kurzem ein Revival. Bekannter ist im Ausland allerdings der spektakuläre zweitägige Umzug der so genannten Samba-Schulen im legendären Sambodromo-Stadion in den Nächten zu Montag und Dienstag. Das Defilee beginnt jeweils gegen 21 Uhr (Ortszeit) und endet nicht vor Sonnenaufgang. Erwartet werden an den zwei Tagen insgesamt 180.000 Zuschauer.

Kostüme nur aus Farben

Jede Samba-Schule mobilisiert beim weltberühmten Umzug 80 Minuten lang um die 5000 Sänger, Tänzer und Statisten, und wie immer auch viele Persönlichkeiten aus dem brasilianischen Showbusiness. Es wird wieder viel nackte Haut geben, einige Frauen gehen sogar nur mit Farben «bekleidet» auf die Laufbahn des vor 22 Jahren von Stararchitekt Oscar Niemeyer gebauten Sambastadions. Obwohl sie ausnahmslos in den «Favela»-Slumvierteln von Rio sitzen, haben die Samba-Schulen auch in diesem Jahr wieder einmal jeweils um die zwei Millionen Euro für die Umzugsvorbereitungen ausgegeben.

Tänzerinnen der Samba-Schule 'Caprichosos de Pilares'
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Während des Umzugs sind die Straßen Rios wie leergefegt. Millionen sitzen vor TV-Schirmen zu Hause, in Kneipen und Vereinen. Die Parade mindestens ebenso ernst genommen wie die nationale Fußballmeisterschaft. Am Mittwoch ermittelt eine Jury auch den Meister und die zwei Absteiger unter den 14 teilnehmenden Organisationen.

Fast 700.000 Touristen

Nach Angaben der Tourismusbehörde Riotur kommt zum diesjährigen Karneval die Rekordzahl von 680.000 Touristen aus dem In- und Ausland in die Zuckerhutstadt. Hunderttausende Touristen besuchen auch den Nordosten Brasiliens, wo der Straßenkarneval - anders als in Rio - seit jeher der Höhepunkt ist. In Recife feierten in der Nacht zum Samstag bereits 2,5 Millionen Menschen bei einer Straßenparade.

Damit der Karneval in Rio so friedlich über die Bühne geht wie in den vergangenen Jahren, will die Polizei in der von Kriminalität geplagten Stadt rund 33.000 Beamte - unter anderem auch in Zivil - auf Sonderpatrouille schicken. Die Ausgelassenheit des Karnevals hat auch ihre Schattenseiten. Während der «tollen Tage» nehmen in Brasilien der Sextourismus, die Ansteckungen mit Geschlechtskrankheiten und der Menschenhandel drastisch zu. Das Gesundheitsministerium hat in den vergangenen Tagen bereits landesweit 25 Millionen Kondome kostenlos verteilen lassen.

Kampagne gegen Sextourismus

In Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen haben außerdem das Justizministerium in Brasilia sowie einige Bundesstaaten wie Rio, Ceara und Goais eine Kampagne gegen Menschenhandel und Sextourismus gestartet. Wenn der ausländische Tourist etwa mit der brasilianischen Airline Varig nach Rio kommt, hört er im Flieger kurz vor der Landung auch eine Warnung. Allein während des vergangenen Karnevals gab es in ganz Brasilien 14.376 Anzeigen wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen. Nach einer UN-Studie werden sehr viele junge Brasilianerinnen von Menschenhändlern vor allem nach Spanien, Italien und Portugal, aber auch in die Schweiz, USA, nach Japan, Frankreich und Israel gebracht. (dpa)

 
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