netzeitung.deFassungslosigkeit und Kritik in Bad Reichenhall

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Eingestürzte Eissporthalle (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Eingestürzte Eissporthalle
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Während die Rettungskräfte in Bad Reichenhall versuchen, weitere Verschüttete zu bergen, äußern die Anwohner Trauer und Kritik. Der schlechte Zustand der Halle sei bekannt gewesen, heißt es.

von Kerstin Joenssen

Um 15:30 Uhr erfährt Thomas Rumpeltes erstmals von der drohenden Gefahr: Zu diesem Zeitpunkt informiert die Stadt Bad Reichenhall den Vorstand des örtlichen Eishockey-Athletik-Clubs (EAC), dass das für Montagnachmittag geplante Training nicht stattfinden könne. Es bestehe Einsturzgefahr in der Eissporthalle, heißt es. Der öffentliche Eislauf findet zu diesem Zeitpunkt noch statt, eine halbe Stunde ist noch Zeit für die Räumung, doch offensichtlich ist diese Zeit zu kurz: Um 16 Uhr stürzt das Flachdach – anscheinend unter der starken Schneelast – ein und begräbt rund 50 Menschen unter sich.

Von der Eissporthalle werden bald die ersten Toten und Verletzten gemeldet. Rund 300 Rettungskräfte vom Rotem Kreuz, der Feuerwehr, dem Technischem Hilfswerk und der Polizei eilen zum Unglücksort, auch Suchhunde werden eingesetzt.

Menschen laufen durcheinander, Angehörige rufen die Namen ihrer Kinder, währenddessen tragen Helfer Verletzte in die Schwimmhalle. Dort liegen sie sichtbar hinter der Glasfassade, manche mit Infusionsschläuchen versorgt. Das Rote Kreuz hat einige große medizinische Zelte aufgebaut. Feuerwehrleute schaufeln die Trümmer beiseite. Unterdessen steigt ein Hubschrauber auf, um die Einsatzkräfte mit Licht zu versorgen, die versuchen, das restliche Dach abzusichern.

Autobahnstreifen gesperrt
Rettungskräfte versuchen mit schwerem Gerät zu den Verschütteten vorzudringen. Um sich einen Überblick über die Opfer zu verschaffen, müssten abgestürzte Teil mit schweren Kränen angehoben werden, erklärt Polizeisprecher Fritz Braun. Die Polizei sperrt unterdessen auf der Autobahn 8 zwischen Übersee und Bad Reichenhall in Richtung Salzburg die linken Fahrstreifen für den Einsatz der Rettungskräfte. Zudem werden Bereitschaftspolizeikräfte aus ganz Bayern nach Bad Reichenhall geschickt.

Eigentlich hätten an diesem Nachmittag Schüler Eissporttraining gehabte, erzählte ein weiteres EAC-Vorstandsmitglied, Alfred Schild. Über eine Telefonkette habe man sich nach der Warnung durch die Stadt informiert, dass es nicht stattfinde.

Ungewissheit über die Opfer
Schockiert reagiert Beate Kammel, ebenfalls EAC-Vorstandsmitglied: «Ich bin gegen halb vier noch daran vorbei gefahren, das war noch nichts.» Dann habe ihr 13-jähriger Sohn – der an dem Training teilnehmen sollte – ihr gesagt, die Übungsstunde sei abgesagt worden. «Jetzt ruft unsere Verwandtschaft an», die sich Sorgen gemacht habe, so Kammel.

Schon kurz nach dem Einsturz äußern sich im Gästebuch des Eishockey-Athletik-Clubs betroffene Bürger: «Leute, betet, dass es nicht so schlimm ist, wie es sich anhört», schrieb ein EAC-Fan unter dem Namen «Antenne». Ein anderer mit dem Namen «Grage» fragt besorgt: «Weiß irgendwer was, wer drin war?»

Kritik am Zustand der Halle
Unter den Leuten aus Bad Reichenhall, die fassungslos vor der eingestürzten Halle stehen, macht schnell die Runde, die Halle sei bekanntermaßen seit langem dringend renovierungsbedürftig gewesen. Vermutet wird bereits, dass die Last der großen Nass-Schnee-Mengen zum Dacheinsturz geführt haben könnte. Die Halle wurde in den 70er Jahren gebaut und wird von der Stadtverwaltung Bad Reichenhall betrieben.

Der Bayerische Rundfunk berichtet, der Hallenwart habe wenige Sekunden vor dem Einsturz die letzten Besucher vom Eis geschickt. Der Einsturz habe sich durch lautes Krachen und Knarzen im Dach angekündigt. Wenige Sekunden später sei das Dach auf der gesamten Fläche der Eisfläche heruntergestürzt. (AP)