Gute Vorsätze haben nur geringe Halbwertszeit
Stefan Arend hat sich für 2006 ein klares Ziel gesetzt. «Ich will dünner werden», sagt der 44-jährige Fotograf aus Hannover. Seine neue Hose hat er schon eine Nummer kleiner gekauft. Wie er nehmen Millionen Menschen das neue Jahr zum Anlass, um lieb gewonnene, aber nachteilige Gewohnheiten umzustellen. Die Aussichten dafür stehen nicht schlecht, sagt der Zeitmanagement-Unternehmer Jörg Knoblauch aus Giengen bei Ulm: «Neujahrsvorsätze sind eine tolle Chance, das eigene Verhalten nachhaltig zu ändern und endlich Ziele zu erreichen, von denen man bislang nur geträumt hat.»
Diese Erfahrung kennt auch Stefan Arend: «Bisher hielten meine Vorsätze nur bis Mitte Februar. Dann geht es schon schwer auf Karneval zu. Und dann ist alles ganz schnell wieder wie vorher.» Sein Wunsch, ein paar Kilo abzunehmen, gehört zu den klassischen Neujahrsvorsätzen. Andere Zeitgenossen wollen mit dem Rauchen aufhören, mehr Sport treiben oder ihre Finanzen besser in den Griff bekommen. Eine 36-jährige Ärztin aus Hannover will künftig «regelmäßig zum Zahnarzt gehen», ein 48-jähriger Lehrer hat sich vorgenommen, morgens früher aufzustehen.
In diesem Fall ist der «innere Schweinehund» am Werk, sagt der preisgekrönte Persönlichkeitstrainer und Buchautor Marco von Münchhausen aus München. Der innere Schweinehund hat es sich im Bauch gemütlich gemacht, und was der Kopf sagt, ist ihm egal: «Er ist der Wächter des Wohlgefühls.» Folglich müssen Kopf und Herz den inneren Schweinehund zähmen, wenn sie Gewohnheiten verändern wollen. Dies kann gelingen, wenn Veränderungswillige sich den Anfang so leicht wie möglich machen: «Wenn ich sechs bis acht Wochen durchhalte, hat sich der Körper an Neues gewöhnt.»
Die Vorsätze sollten nicht zu vage, sondern möglichst konkret und messbar gefasst sein, empfiehlt der Jurist, Psychologe und Kommunikationswirt. Also nicht: «Ich will mich mehr um meine Kinder kümmern», sondern: «Ich will meinem Sohn jeden Tag 20 Minuten lang vorlesen.» Wichtig sei auch, die Vorsätze positiv zu formulieren: «In dem Moment, in dem ich negativ sage: Ich will keine Schokolade mehr essen, erzeugt mein Körper ein Bild von Schokolade und bekommt Lust, sie zu essen.» Besser also: «Ich will Honig essen.»
Und wenn man nach einer Woche doch wieder der Schokolade erlegen ist? «Betrachten Sie es als Ausrutscher, aber geben Sie auf keinen Fall auf», rät Zeitplan-Unternehmer Jörg Knoblauch. Er selbst hat für das neue Jahr auch schon einen Vorsatz gefasst: «Die Balance zwischen Familie und Beruf ist mein Thema. Die Abende und Nächte im Büro - das muss aufhören.» (epd)
