17.09.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Auf eine friedliche Wiesn: Edmund Stoiber (li) und Christian Ude.
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Mit zwei Schlägen hat Oberbürgermeister Ude das 172. Oktoberfest in München eröffnet. Für Bayerns Ministerpräsident Stoiber gab es überraschend Pfiffe.
«O'zapft is»: Mit den wohl bekanntesten Worten eines Oberbürgermeisters hat Christian Ude am Samstag um Punkt 12.00 Uhr in München das Oktoberfest eröffnet. Nur zwei Schläge brauchte er, um das erste Fass Festbier anzuzapfen. Trotz kalten Regenwetters drängten sich zum Auftakt hunderttausende Besucher auf der Theresienwiese. Insgesamt werden auf dem größten Volksfest der Welt sechs Millionen Gäste erwartet. Die 172. Wiesn dauert bis zum 3. Oktober.
«Zwei Schläge sind mein absoluter Rekord», freute sich Ude, der zum zwölften Mal auf der Wiesn anzapfte. Belohnt wurde er mit tosendem Beifall der rund 6.000 Gäste im voll besetzten Schottenhamel-Zelt. Der mit Lederhose und Trachtenhemd bekleidete OB überreichte die erste offiziell gezapfte Maß traditionsgemäß dem bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber und stieß mit ihm «auf eine friedliche Wiesn» an. Stoiber war zuvor mit Jubel, aber auch lauten Buh-Rufen im Schottenhamel empfangen worden.
Keine Politik auf der WiesnDer Ministerpräsident sagte, der Anstich sei «eine große, kulturelle bayerische Handlung», bei der er gerne dabei sei. Die bevorstehende Wahl beeinflusse seine Festtagsstimmung nicht. «Jeder weiß, morgen fällt eine wichtige Entscheidung.» Stoiber fügte hinzu: «A Maß geht immer.» Die Wahl sei kein Thema auf dem Oktoberfest, sagte Ude: «Auf der Wiesn hat Parteipolitik nix verloren.»
Grünen-Chefin Claudia Roth, im roten Dirndl mit grüner Schürze, hatte sich ein Lebkuchen-Herzerl mit der Aufschrift «Ja zu Grün» umgehängt, meinte aber: «Ich bin hier nicht wegen Wahlkampf, sondern weil ich ein gutes Bier trinken will.» Udes Ehrengast war die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth, die zum ersten Mal das Oktoberfest besuchte: «Ich bin sprachlos, ich find's wunderschön.» Die Tradition und auch die Trachten seien faszinierend. Unter den Gästen im ältesten Wiesn-Zelt war auch der 101-jährige Johannes Heesters, stilecht in Lederhose und Trachtenhut. Zahlreiche Besucher hatten sich Dirndl oder Lederhosen angezogen.
Maß kostet rund 7 EuroSchon Stunden vor dem Anstich hatten sich viele Gäste einen der begehrten rund 100.000 Sitzplätze in den 14 Festzelten gesichert und warteten auf die zwölf Böllerschüsse, die nach dem Anzapfen über die Theresienwiese donnerten, als Zeichen für die Wiesn-Wirte, dass Bier ausgeschenkt werden darf. Der Liter Festbier kostet zwischen 6,80 und 7,25 Euro, das sind rund 15 Cent mehr als im Jahr zuvor.
2004 tranken 5,9 Millionen Besucher etwa 6,1 Millionen Maß Bier. Außerdem aßen die Gäste mehr als 481.000 Brathendl und 89 Ochsen. In den Festzelten soll dieses Jahr nach dem Willen der Festleitung bis 18.00 Uhr leisere Musik gespielt werden, um die Stimmung nicht zu sehr aufzuheizen. Polizei und Rettungskräfte sprachen von einem ruhigen Wiesn-Auftakt.
Auf dem 31 Hektar großen Festgelände am Fuße der Bavaria sind 633 Betriebe vertreten, darunter 74 Gastronomiebetriebe und 231 Schausteller. Rund 12.000 Menschen arbeiten auf der Wiesn. Das 172. Oktoberfest dauert 17 statt wie üblich 16 Tage, weil der auf einen Montag fallende Nationalfeiertag als Festtag hinten angehängt wird. (nz)