18.09.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Bewerbungsmappen mit Inhalt wurden über Ebay verkauft
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Unternehmen müssen die Bewerbungsunterlagen abgelehnter Kandidaten zurücksenden oder vernichten. Eine Frankfurter Firma hielt sich nicht dran: Mappen mit Lebensläufen und Zeugnissen landeten bei Ebay.
Für nur 10 Euro ersteigerte ein Schreibwarenhändler aus Paderborn bei Ebay 500 leere, gebrauchte Bewerbungsmappen doch er staunte nicht schlecht, als er das Paket öffnete: «Es war in fast jeder Mappe noch die komplette Bewerbung drin!» Das berichtete die «Frankfurter Rundschau». Die Kiste voller persönlicher Daten, Bewerbungsfotos, Lebensläufen und Zeugnissen von Hunderten Leuten aus dem Rhein-Main-Gebiet sei am 16. Juli bei dem Internet-Auktionshaus versteigert worden.
Zu den ersteigerten Unterlagen gehören demnach ausführliche Lebensläufe, Adressen, Telefonnummern, Unterschriften und sogar Gesundheitszeugnisse. Der Schreibwarenhändler habe die Dokumente nicht aufbewahren wollen und deshalb der Zeitung übergeben. Die Bewerbungen sind laut «FR» an die CSS-Marketing GmbH gerichtet. Deren Geschäftsführer sei trotz vielfältiger Kontaktversuche nicht zu erreichen gewesen, so das Blatt.
Dubiose FirmaDie Firma ist dem Bericht zufolge verschwunden, der Geschäftsmann sei abgetaucht. Die «FR» kontaktierte ehemalige Bewerber, die den CSS-Geschäftsführer als «Sprücheklopfer» bezeichneten, «der einem das Blaue vom Himmel herunter erzählt». Angeblich seien gleich 46 Stellen frei gewesen, er habe seine Firma als Vertriebspartner der Telekom dargestellt. Doch die Telekom habe bestritten, CSS Marketing als Vertriebspartner zu führen: «Es bestand zu keiner Zeit ein Vertriebsverhältnis», wurde ein Telekom-Sprecher zitiert.
Betroffene Bewerber seien sauer darüber, dass ihre Unterlagen im Internet gehandelt wurden: Das sei «eine Riesensauerei». «Was hier passiert ist, ist definitiv illegal», sagte der Datenschutzbeauftragte von Schleswig-Holstein, Thilo Weichert, der Zeitung. Bewerbungsunterlagen müssten immer entweder zurückgeschickt oder vernichtet werden. Mit der Vielzahl persönlicher Daten könnten Kriminelle im großen Stil Identitätsdiebstahl betreiben. «Wir erleben sehr oft, dass sich bei Firmenauflösungen niemand um die Mitarbeiterdaten kümmert.»
Nach «FR»-Recherchen steckt der CSS-Geschäftsführer nicht hinter dem Ebay-Profil, über das die Kiste mit den Unterlagen versteigert wurde. Es ist unklar, wie er an das Material kam. Die Verantwortung für die Datensicherheit trage jedenfalls der Geschäftsführer, sagte Datenschützer Weichert. Laut Bundesdatenschutzgesetz seien Strafen bis zu 300.000 Euro möglich. Die Zeitung kündigte an, die Kiste der Datenschutzabteilung des Regierungspräsidiums Darmstadt zu übergeben. (nz)