03.07.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Tropenhitze entlädt sich in schweren Unwettern
Regenfälle wie aus Kübeln, überflutete Straßen und Keller, fünf Verletzte bei einem Blitzeinschlag: Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte hatten am Nachmittag vor allem im Westen und Süden enorm zu tun.
Die schwüle Sommerhitze hat sich am Freitag im Westen und Süden in schweren Unwettern entladen. Mit heftigen Regenfällen zogen Gewitter über Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Bayern. Teilweise fielen mehr als 100 Liter Regen pro Quadratmeter. Keller, Unterführungen und Straßen wurden überflutet. Einige Straßen mussten gesperrt werden, es ereignete sich zahlreiche Unfälle, die meist glimpflich verliefen.
Bei einem Blitzeinschlag auf einem Zeltplatz im pfälzischen Hauenstein wurden fünf Menschen verletzt, einer von ihnen schwer. Bei einem Unwetter hatte nach Angaben der Polizei am Mittag ein Blitz auf dem Zeltplatz eingeschlagen.
In Bayern brachten die Gewitter von Donnerstagabend bis zum Freitag teils sintflutartige Regenfälle. Blitzeinschläge lösten mehrere Brände aus. Nach Murenabgängen und wegen überfluteter Straßen gab es zudem Verkehrsbehinderungen. Zahlreiche Feuerwehren mussten mit Wasser vollgelaufene Keller und sogar einen Einkaufsmarkt leer pumpen. Es entstand hoher Schaden, verletzt wurde nach einer Übersicht der Polizeidienststellen jedoch niemand.
Bahnstrecken betroffenIm bayerischen Wassertrüdingen schlug der Blitz in einen Stall ein und entfachte ein Feuer. In den Flammen kamen 20 Schweine um. Der Schaden beträgt etwa 300.000 Euro. In Schwanstetten brannte ein Rinderstall nieder. Alle Tiere wurden gerettet. Ein Blitz schlug in ein Stellwerk der Deutschen Bahn ein, so dass der Verkehr auf der Strecke München-Ingolstadt für eine halbe Stunde lahmgelegt war. Betroffen von Unwettern waren zudem die Bahnstrecken München-Garmisch-Partenkirchen und Murnau-Oberammergau.
Am Freitagnachmittag zogen erneut schwere Gewitter durch das südliche Oberbayern. Keller liefen voll Wasser, es stürzten Bäume um, etliche Straßen waren kurzzeitig überflutet, wie das Polizeipräsidium Oberbayern Süd in Rosenheim berichtete. Auf nassen Straßen ereigneten sich mehrere Unfälle, die aber glimpflich und ohne Verletzte abliefen. Im Stadtgebiet von München musste die Feuerwehr nach Gewittern zu etwa 100 Einsätzen ausrücken.
Flughafen geschlossenAuch in Teilen Nordrhein-Westfalens führten Unwetter am Freitag zu Überflutungen. So musste nach der Überschwemmung mehrerer Tunnel die Autobahn A 44 in Düsseldorf am Freitagabend voll gesperrt werden. Im Bereich der Sperrung lag auch die Abfahrt zum Flughafen Düsseldorf. Betroffen war auch Sundern im Sauerland und Kleve am Niederrhein. Straßen wurden überschwemmt, Keller liefen voll, Bäume stürzten um, Bäche traten über die Ufer. Die Feuerwehr war in den diesen Gebieten pausenlos im Einsatz.
Der Flughafen Düsseldorf musste wegen eines heftigen Gewitters am Abend für knapp eineinhalb Stunden geschlossen werden - ausgerechnet am verkehrsreichsten Tag des Jahres. Eine Maschine wurde nach Köln/Bonn umgeleitet, die anderen kreisten über dem Flughafen und konnten später landen. Wegen des ersten Ferienwochenendes erhielt der Flughafen eine Sondererlaubnis für spätere Starts und Landungen.
In Xanten schlug ein Blitz in den Kamin eines freistehenden Einfamilienhauses ein und bahnte sich seinen Weg bis in den Keller. Es kam zwar zu einer Rauchentwicklung, jedoch zu keinem Feuer, wie die Polizei des Kreises Wesel berichtete. Allerdings wurde die komplette Hauselektrik, sowie die Telefonanlage zerstört.
Auch in Baden-Württemberg wurden durch heftige Gewitter zahlreiche Straßen überflutet. Im ganzen Land mussten Straßen gesperrt werden, teilte das Innenministerium mit. Sie standen unter Wasser oder waren durch Erdrutsche und Matsch blockiert. Feuerwehren waren im Dauereinsatz, um Keller auszupumpen. Über größere Schäden oder Verletzte wurde zunächst nichts bekannt.
Rasenflächen wirkten winterlichIn Rheinland-Pfalz und im Saarland kam es nach schweren Regenfällen ebenfalls zu Überflutungen. In Koblenz liefen einige Unterführungen und Keller voll, zudem stürzten Bäume auf die Fahrbahn. Die Stadt sei aber noch «einigermaßen glimpflich» davongekommen, teilte die Polizei mit. Durch das Gewitter sei es im Raum Kaiserslautern außerdem zeitweise zum Ausfall von Ampelanlagen und Telefonverbindungen gekommen.
In der Mainzer Innenstadt goss es wie aus Kübeln, Hagelkörner ließen Rasenflächen fast winterlich erscheinen. Größere Schäden wurden aber in der Landeshauptstadt nicht gemeldet. Im Saarland hatte die Polizei wegen eines Gewitters mit starkem Regen alle Hände voll zu tun. Die häufigsten Einsätze gab es wegen vollgelaufener Keller und überfluteter Straßen in etlichen Orten des Regionalverbands und im benachbarten Saar-Pfalz-Kreis.
Das heftige Unwetter ist offenbar Vorbote des Tiefs «Rainer», das ab kommender Woche eine kräftige Abkühlung bringt. Das Unwetter entstand nach Angaben des Meteorologen Thomas Ruppert vom DWD auf einer sogenannten Konvergenz-Linie, die sich vor dem Herannahen eines Tiefausläufers bildet. Dieser überquert am Samstag Deutschland von West nach Ost.
Damit gehen Schauer und teils kräftige Gewitter einher, die am Abend etwa die Elbe erreichen und lokal auch unwetterartig sein können. Jedoch bleibt auch noch die subtropische Meeresluft hier, so dass am Wochenende vielerorts sommerliche Temperaturen zwischen 26 und 30 Grad erreicht werden. Für Sonntag sind vor allem im Osten und Süden, später auch im Westen Gewitter angesagt, die teilweise mit Hagel, Starkregen und Sturmböen einhergehen. (dpa/AP)